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Behandlung Hüftprothese – das künstliche Hüftgelenk

Die Hüftprothese zur Behandlung der schmerzhaften Hüftarthrose ist eine der erfolgreichsten Operationen. Anfänglich kann eine Arthrose konservativ, also ohne Operation, behandelt werden. Je nach Leidensdruck (Schmerzstärke) und Einschränkung der Beweglichkeit muss aber ab einem gewissen Stadium der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks in Betracht gezogen werden. Dieser Eingriff gilt heute als Routineeingriff und kann die ursprüngliche Mechanik des Hüftgelenks wieder weitgehend herstellen, sodass sich das künstliche Gelenk für den Patienten ähnlich anfühlt wie ein natürliches Gelenk.

Anatomie des Hüftgelenks

Das Hüftgelenk besteht aus Hüftpfanne (Acetabulum) und Hüftkopf (Caput femoris). Diese sind von einer schützenden Knorpelschicht überzogen, wobei die Gelenksflüssigkeit dazwischen einen Schmierfilm bildet, der die Reibung reduziert. Der Rand der Hüftpfanne wird durch das sogenannte Labrum abgeschlossen, einen Ring aus Faserknorpel, der das Gelenk abdichtet. Das gesamte Hüftgelenk ist schliesslich von einer straffen Kapsel und von einem kräftigen Muskelmantel umgeben.

Für die Fortbewegung ist insbesondere die seitliche Gesässmuskulatur (Abduktoren) wichtig, da diese beim Gehen das Becken horizontal hält und somit ein Hinken verhindert. Auf der Vorder- und auf der Rückseite des Hüftgelenks verlaufen wichtige Nerven. Die Blutgefässe, welche die Extremitäten versorgen, ziehen unter der Leiste auf der Vorderfläche des Hüftgelenks ins Bein.

Als Kugelgelenk erlaubt das Hüftgelenk Bewegungen in verschiedene Richtungen. Gleichzeitig muss es aber auch die Last des Körpers auf die Beine verteilen und die Stabilisierung des Oberkörpers sicherstellen.

1 Die Arthrose ist gekennzeichnet durch Knorpelabbau, den Verlust der Passform und Knochenanlagerungen an Kopf und Pfanne.

Hüftarthrose

Die häufigste Erkrankung des Hüftgelenks ist die Arthrose. Dabei wird der schützende Knorpelüberzug von Hüftkopf und Hüftpfanne durch die stetige Reibung der Bewegungen langsam abgenutzt. Das Gelenk verliert seine Passform, der Knochen bildet an den Rändern Anbauten (Osteophyten), und es entstehen Abriebteilchen, die Entzündungen und Schmerzen verursachen. Eine Hüftarthrose kann schon zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr einsetzen, tritt meist aber erst im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auf.

Die Ursachen der Hüftarthrose können sehr verschieden sein. Früher wurde angenommen, dass die Hüftarthrose eine rein altersbedingte Abnützung des Gelenkknorpels ist. Heute weiss man, dass eine ungünstige Form von Hüftkopf und Hüftpfanne, starke Belastungen, Unfälle und andere Erkrankungen das Arthroserisiko erhöhen. Erfahren Sie mehr über Ursachen und Symptome auch auf der Seite Hüftarthrose.

Operative Behandlung

Bei hohem Leidensdruck und stark eingeschränkter Lebensqualität ist der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks (Prothese) zu erwägen. Dabei entscheidet immer der Patient, was er als Leidensdruck in welcher Stärke empfindet.

Die Hüfttotalprothese ist eine der erfolgreichsten Operationen der Orthopädie. Dabei werden der kranke Hüftkopf sowie ein Teil des Oberschenkelhalses entfernt. Anschliessend wird die natürliche Hüftpfanne aufgefräst und die künstliche Hüftpfanne im Becken verankert. Darauf wird ein Köcher in den Oberschenkelknochen geraffelt, in welchen der Schaft eingebracht wird. Auf diesen wird schliesslich der Prothesenkopf aufgesteckt und das künstliche Hüftgelenk zusammengefügt. Damit eine stabile Prothese mit korrekten Beinlänge und korrekter Muskelspannung resultiert, muss auf die richtige Grösse und Position der Prothesenkomponenten geachtet werden. Diese wird für jeden Patienten anhand des Röntgenbildes vor der Operation bestimmt, um dann die individuelle Planung bei der Operation umzusetzen.

Als Zugang zum Einsetzen der Prothese wird an der Schulthess Klinik heutzutage in über 95 Prozent der Fälle ein vorderer minimalinvasiver Zugang verwendet. Dieser Zugang gilt als der schonendste Weg zum Hüftgelenk, zumal er in einer natürlichen Schicht zwischen den Muskeln verläuft und somit keine relevanten Muskelschäden hinterlässt. Alternativ kommt ein seitlicher oder ein hinterer Zugang zum Hüftgelenk in Frage, welcher jedoch mit einem partiellen Ablösen und Wiederannähen von Muskeln verbunden ist.  

Das Hauptaugenmerk der heutigen minimalinvasiven OP-Techniken gilt dem Vermeiden von Weichteilschäden. In den meisten Fällen genügt dazu sogar ein kurzer Hautschnitt (<10 cm). Zudem haben wir in der Schulthess Klinik vor einigen Jahren anstelle des klassischen Längsschnitts für den vorderen Zugang einen queren Hautschnitt, eingeführt: die sogenannte Bikini-Schnittführung. Diese folgt den Spannungslinien der Haut und führt zu kosmetisch schöneren Narben, welche sich leichter unter der Unterwäsche kaschieren lassen – daher der Name.

Hüftoperationen finden entweder unter Vollnarkose oder mit einer rückenmarksnahen Teilnarkose (Spinalanästhesie) statt. Die Operation dauert rund 1,5 Stunden. Die operierte Hüfte kann meist unmittelbar nach der Operation wieder voll belastet werden.

Material der Hüftprothesen

Hüftprothesenschäfte bestehen aus unterschiedlichen Metalllegierungen (Titan, Kobalt-Chrom). Der Prothesenkopf selbst besteht aus Keramik oder Metall und wird auf den Konus des Schafts aufgesetzt. Unterschiedliche Grössen und Geometrien der Implantate ermöglichen eine exakte Rekonstruktion der individuellen Anatomie. Die Pfanne besteht ebenfalls aus einer Metalllegierung (zumeist Titan) und ist mit einem Keramik- oder Kunststoffeinsatz (Polyethylen) ausgestattet. Diese Materialien sind ausgezeichnet körperverträglich – Allergien auf Titan, Keramik oder Polyethylen sind weitgehend unbekannt.

Heute werden bei guter Knochenqualität zementfreie Implantate aus Titanlegierungen verwendet. Diese verklemmen sich stabil im Knochen (primäre Stabilität). Der Knochen wächst danach allmählich an die poröse Titanoberfläche an und fixiert das Implantat zusätzlich (sekundäre Stabilität). Bei weicherem Knochen (z. B. Osteoporose) kommt alternativ eine zementierte Prothese zum Einsatz.

Zementfreie Hüftprothese
2 Zementfreie Prothese
Hüftprothese mit zementiertem Schaft
3 Prothese mit zementiertem Schaft

Nachbehandlung und Rehabilitation

Bereits am Tag der Operation finden die ersten Schritte an Gehstöcken unter Anleitung der Physiotherapiestatt. Nach 3 bis 5 Tagen kann der Patient die Klinik verlassen. 

Bei den heute meist angewendeten minimalinvasiven Operationstechniken sind Gehstöcke nur noch für wenige Wochen notwendig. Je nach Operationstechnik sollten in den ersten Wochen aber gewisse Vorsichtsmassnahmen und Verhaltensregeln befolgt werden.

Meist verwenden wir resorbierbare Fäden, die nicht entfernt werden müssen. Nach der ersten Kontrolle beim Chirurgen (in der Regel nach 6 Wochen) können Gelenkbeweglichkeit und Belastung zunehmend gesteigert werden.

Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit beträgt je nach körperlicher Belastung im Beruf 3 bis 12 Wochen.

Nach dem stationären Aufenthalt ist eine ambulante physiotherapeutische Betreuung empfohlen. Ziel davon ist es, eine bestmögliche Funktion des Hüftgelenks zu erarbeiten und dabei Kraft, Beweglichkeit und Koordination zu verbessern. Die Auswahl, Dosierung und Intensität der Übungen werden dabei fortlaufend an die aktuelle Belastbarkeit und Ihre individuellen Ziele angepasst.

Die Wiederaufnahme von sportlichen Aktivitäten sollte in Absprache mit Arzt und Physiotherapie erfolgen. Autofahren ist meist nach 4 bis 6 Wochen wieder möglich, wenn keine Gehstöcke mehr benötigt werden.

Keine Zahnsanierung nach Hüftoperation

Wir empfehlen, im ersten Jahr nach der Hüftoperation keine Zahnsanierungen durchzuführen, um kein Risiko für eine Infektion einzugehen. Gute und regelmässige Zahnhygiene ist wichtig. Eine Prophylaxe vor dem Zahnarztbesuch mit Antibiotika ist nur in wenigen Fällen notwendig.

Erfolgsaussichten

Gewisse muskuläre Restbeschwerden sind anfänglich normal. Es kann zu leichten Anlaufbeschwerden im Bereich der Leiste kommen, welche zum Beispiel auf den Druck der Wundhaken auf bestimmte Muskeln zurückzuführen sein können. Diese Beschwerden verschwinden in der Regel vollständig, was aber gelegentlich einige Wochen in Anspruch nehmen kann. Die grössten Fortschritte werden in den ersten drei Monaten erzielt, wobei es auch danach zu weiteren Verbesserungen kommt. Das Endergebnis ist in der Regel nach einem Jahr erreicht.

Die Hüfttotalprothese ist eine der erfolgreichsten Operationen der Orthopädie. Sie ist eine standardisierte Routineoperation, verlangt aber dennoch Erfahrung und Sorgfalt des Hüftchirurgen. Mit jährlich rund 1000 eingesetzten Hüftprothesen verfügt unser spezialisiertes Team über eine sehr umfassende Erfahrung. Über 96 Prozent unserer Patienten geben 6 Monate nach der Operation an, mit der Behandlung zufrieden zu sein. Dazu haben wir seit 2014 über 7400 Patienten befragt.

Wie jede Operation birgt auch der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks Risiken. Komplikationen sind jedoch insgesamt selten. Durch immer bessere Techniken, weiterentwickelte Materialien und spezialisierte Ärzte können die Risiken niedrig gehalten werden.

Risiken und Komplikationen beim Einsatz einer Hüftprothese

Neben den allgemeinen Operationsrisiken gibt es spezifische Risiken des Hüftgelenkersatzes. Eine mögliche Komplikation eines Kunstgelenks ist die Ausrenkung (Luxation). Dabei springt der Hüftkopf aus der Hüftpfanne. Dieses Ereignis ist schmerzhaft und erfordert häufig eine Narkose, um das Gelenk wieder einzurenken. Eine weitere Komplikation ist eine mögliche Infektion. Kann diese nicht eingedämmt werden, muss das Gelenk entfernt und entweder in der gleichen Operation (einzeitiger Wechsel) oder einer späteren Operation (zweizeitiger Wechsel) durch ein neues ersetzt werden.

Spürbare Beinlängendifferenzen nach Hüftprothesen sind möglich, mit der von uns eingesetzten Technik jedoch selten. Beim Einbringen der Hüftprothese kann es selten zu Knochenbrüchen kommen, die eine zusätzliche Stabilisation erfordern. Schäden an den grossen Beinnerven sind äusserst selten. Was jedoch häufig beobachtet wird, sind vorübergehende Gefühlsstörungen an der Aussenseite des Oberschenkels durch eine Beeinträchtigung kleiner Hautnerven.

Lebensdauer der Hüftprothese und Prothesenwechsel

Die Lebensdauer einer Hüftprothese beträgt mit den aktuell verwendeten Materialien etwa 15 bis 25 Jahre. Mit der fortschreitenden Technik und neuen Materialien ist künftig eine längere Lebensdauer denkbar.

Die Lebensdauer hängt aber auch stark von der Belastung und weiteren Faktoren wie Knochenqualität etc. ab. Stop-and-go-Sportarten können sie negativ beeinflussen und sollten vermieden werden.

Ursachen für einen Prothesenwechsel

Auch ein künstliches Gelenk produziert Abrieb und verschleisst mit der Zeit. Dadurch kann eine Entzündung entstehen und der Knochen zieht sich von der Prothese zurück – die Prothese lockert sich. Die Lockerung kann entweder die Pfanne, den Schaft oder beide Komponenten betreffen. Die häufigsten Gründe für einen Hüftprothesenwechsel (Revision) sind Abrieb und Lockerung, wiederholte Ausrenkungen (Luxationen), Knochenbrüche und Infektionen. 

Mittels nationalem Implantate-Register (SIRIS) wird die 2- resp. 5-Jahres Revisionsrate bei primären Hüftprothesen gemessen, d.h. wie viele Patienten innerhalb von 2 resp. 5 Jahren einen erneuten Eingriff am Kunstgelenk benötigen. Dabei liegen seit mehreren Jahren die Revisionsraten bei unseren Patienten im nationalen Vergleich signifikant tiefer als der Schweizer Durchschnitt, sowohl nach 2 als auch nach 5 Jahren. In der ausgewerteten Zeitspanne von 2012 bis 2020 beträgt diese in der Schulthess Klinik 1,2 resp. 1,5 Prozent, ist damit also nicht einmal halb so hoch wie der Schweizer Durchschnitt (2,6 resp. 3,5 Prozent). 

Prothesenwechsel – Abrieb
4 Prothesenwechsel – Abrieb

Ihre Spezialisten für Hüftprothesen

 
Prof. Dr. med. Michael Leunig

Prof. Dr. med. Michael Leunig

Chefarzt Hüftchirurgie, CMO
 
 
PD Dr. med. Hannes A. Rüdiger

Prof. Dr. med. Hannes A. Rüdiger

Stv. Chefarzt Hüftchirurgie
 
 
Prof. Dr. med. Claudio Dora Spezialist Hüftchirurgie

Prof. Dr. med. Claudio Dora

Leitender Arzt Hüftchirurgie
 

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