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Behandlung Hüftprothese – das künstliche Hüftgelenk

Die Hüftprothese zur Behandlung der schmerzhaften Hüftarthrose ist eine der erfolgreichsten Operationen. Anfänglich kann eine Arthrose konservativ, also ohne Operation, behandelt werden. Je nach Leidensdruck (Schmerzstärke) und Einschränkung der Beweglichkeit, aber auch der Lebensqualität wird der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks in Betracht gezogen werden. Dieser Eingriff gilt heute als Routineoperation und kann die ursprüngliche Mechanik des Hüftgelenks wieder weitgehend schmerzfrei herstellen, sodass sich das künstliche Gelenk für den Patienten ähnlich anfühlt wie ein natürliches Gelenk.

Erfahren Sie nachfolgend mehr über den Einsatz einer Hüftprothese. Die Ausführungen fassen dabei den heutigen Wissenstand zusammen. Sie stützen sich dabei vor allem auf wissenschaftliche Arbeiten ab, die durch Mitarbeitende der Schulthess Klinik während der letzten 20 Jahre entstanden sind.

Anatomie des Hüftgelenks

Das Hüftgelenk besteht aus Hüftpfanne und Hüftkopf. Diese sind von einer glatten Knorpelschicht überzogen, wobei die Gelenksflüssigkeit dazwischen eine Gleitschicht bildet, die die noch weiter Reibung reduziert. Der Rand der Hüftpfanne wird durch das sogenannte Labrum abgeschlossen, einen Ring aus Faserknorpel, der das Gelenk abdichtet. Das gesamte Hüftgelenk ist schliesslich von einer straffen Kapsel und von einem kräftigen Muskelmantel umgeben.

Für die Fortbewegung ist insbesondere die seitliche Gesässmuskulatur (Abduktoren) wichtig, da diese beim Gehen das Becken horizontal hält und somit ein Hinken verhindert. Auf der Vorder- und auf der Rückseite des Hüftgelenks verlaufen wichtige Nerven. Die Blutgefässe, welche die Extremitäten versorgen, ziehen unter der Leiste auf der Vorderfläche des Hüftgelenks ins Bein.

Als Kugelgelenk erlaubt das Hüftgelenk Bewegungen in verschiedene Richtungen. Gleichzeitig muss es aber auch die Last des Körpers auf die Beine verteilen und die Stabilisierung des Oberkörpers sicherstellen.

Illustration Hüftarthrose mit Zysten
1 Die Arthrose ist gekennzeichnet durch Knorpelabbau bis auf den Knochen, den Verlust der Passform und Knochenanlagerungen an Kopf und Pfanne sowie Zysten.

Hüftarthrose

Die häufigste Erkrankung des Hüftgelenks ist die Arthrose. Dabei wird der schützende Knorpelüberzug von Hüftkopf und Hüftpfanne abgenutzt. Das Gelenk verliert seine Passform, der Knochen bildet an den Rändern knöcherne Anbauten (Osteophyten), und es entstehen Abriebteilchen, die Entzündungen und Schmerzen verursachen. Eine Hüftarthrose kann sich schon zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr ankündigen, tritt meist aber erst im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auf.

Die Ursachen der Hüftarthrose können sehr verschieden sein. Früher wurde angenommen, dass die Hüftarthrose eine rein altersbedingte Abnützung des Gelenkknorpels ist. Heute weiss man, dass eine ungünstige Form von Hüftkopf und Hüftpfanne, starke Belastungen, Unfälle und andere Erkrankungen das Arthroserisiko erhöhen. Erfahren Sie mehr über Ursachen und Symptome auch auf der Seite Hüftarthrose.

Operative Behandlung

Bei hohem Leidensdruck und stark eingeschränkter Lebensqualität ist der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks (Prothese) zu erwägen. Dabei entscheidet immer der Patient, was er als Leidensdruck in welcher Stärke empfindet.

Die Hüfttotalprothese ist eine der erfolgreichsten Operationen der Orthopädie. Dabei werden der kranke Hüftkopf sowie ein Teil des Oberschenkelhalses entfernt. Anschliessend wird die natürliche Hüftpfanne aufgefräst und die künstliche Hüftpfanne im Becken verklemmt. Darauf wird ein Köcher in den Oberschenkelknochen geraffelt, in welchen der Schaft eingebracht wird. Auf diesen wird schliesslich der Prothesenkopf aufgesteckt und das künstliche Hüftgelenk zusammengefügt. Damit eine stabile Prothese mit korrekten Beinlänge und korrekter Muskelspannung resultiert, muss auf die richtige Grösse und Position der Prothesenkomponenten geachtet werden. Diese wird für jeden Patienten anhand des Röntgenbildes vor der Operation bestimmt, um dann die individuelle Planung bei der Operation umzusetzen.

Als Zugang zum Einsetzen der Prothese wird an der Schulthess Klinik heutzutage fast ausschliesslich ein vorderer minimalinvasiver Zugang verwendet. Dieser Zugang gilt als der schonendste Weg zum Hüftgelenk, zumal er in einer natürlichen Schicht zwischen den Muskeln verläuft und somit keine relevanten Muskelschäden hinterlässt. Alternativ kommt ein seitlicher oder ein hinterer Zugang zum Hüftgelenk infrage, welcher jedoch mit einem partiellen Ablösen und Wiederannähen von Muskeln verbunden ist.      

Das Hauptaugenmerk der heutigen minimalinvasiven OP-Techniken gilt dem Vermeiden von Weichteilschäden. In den meisten Fällen genügt dazu sogar ein kurzer Hautschnitt (<10 cm). Zudem haben wir in der Schulthess Klinik vor einigen Jahren anstelle des klassischen Längsschnitts für den vorderen Zugang einen queren Hautschnitt, eingeführt: die sogenannte Bikini-Schnittführung. Diese folgt den Spannungslinien der Haut und führt zu kosmetisch schöneren Narben, welche sich leichter unter der Unterwäsche kaschieren lassen – daher der Name.

Hüftoperationen finden entweder unter Vollnarkose oder mit einer rückenmarksnahen Teilnarkose (Spinalanästhesie) statt. Die Operation dauert rund 1 Stunde. Die operierte Hüfte kann meist unmittelbar nach der Operation wieder voll belastet werden.

Material der Hüftprothesen

Hüftprothesenschäfte bestehen aus unterschiedlichen Metalllegierungen (Titan, Kobalt-Chrom). Der Prothesenkopf selbst besteht aus Keramik oder Metall und wird auf den Konus des Schafts aufgesetzt. Unterschiedliche Grössen und Geometrien der Implantate ermöglichen eine exakte Rekonstruktion der individuellen Anatomie. Die Pfanne besteht ebenfalls aus einer Metalllegierung (zumeist Titan) und ist mit einem Keramik- oder Kunststoffeinsatz (Polyethylen) ausgestattet. Diese Materialien sind ausgezeichnet körperverträglich – Allergien auf Titan, Keramik oder Polyethylen sind weitgehend unbekannt.

Heute werden bei guter Knochenqualität zementfreie Implantate aus Titanlegierungen bevorzugt. Diese verklemmen sich stabil im Knochen (primäre Stabilität). Der Knochen wächst danach innert 4 bis 8 Wochen an die poröse Titanoberfläche an und fixiert das Implantat zusätzlich (sekundäre Stabilität). Bei sprödem Knochen (z. B. Osteoporose) kommt alternativ eine zementierte Prothese zum Einsatz. Abhängig vom verwendeten Prothesentypen können diese eine mediale Abstützung (Kragen) haben oder auch ohne Kragen verwendet werden.

In der Schulthess Klinik verwenden wir ausschliesslich bewährte und die in Registern am besten bewerteten Prothesen. Das Prinzip der individuell angefertigten Prothesen verfolgt die Schulthess Klinik nicht. 

Röntgenbild zementfreie Hüftprothese
2 Zementfreie Prothese
Hüftprothese mit zementiertem Schaft
3 Prothese mit zementiertem Schaft

Nachbehandlung und Rehabilitation

Bereits am Tag der Operation finden die ersten Schritte an Gehstöcken unter Anleitung der Physiotherapie statt. Nach 2 bis 4 Tagen  kann der Patient die Klinik verlassen. Es ist zu erwarten, dass sich der Trend der kürzer werdenden Liegezeiten weiter fortsetzt. 

Bei den heute verwendeten minimalinvasiven Operationstechniken sind Gehstöcke nur noch für 2-4 Wochen notwendig. Je nach Operationstechnik sollten in den ersten Wochen aber gewisse Vorsichtsmassnahmen und Verhaltensregeln bezüglich bestimmter Bewegungen und Belastungen befolgt werden. 

Meist verwenden wir resorbierbare Fäden, die nicht entfernt werden müssen. Nach der ersten Kontrolle beim Chirurgen (in der Regel nach 6 Wochen) können Gelenkbeweglichkeit und Belastung zunehmend gesteigert werden.

Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit beträgt je nach körperlicher Belastung im Beruf 3 bis 12 Wochen.

Nach dem stationären Aufenthalt ist eine ambulante physiotherapeutische Betreuung empfohlen. Ziel dieser ist es, eine rasche Wiederherstellung der Funktion des Hüftgelenks zu ermöglichen. Dabei wird initial die Beweglichkeit und Koordination, anschliessend die Kraft verbessert. Die Intensität der Übungen wird dabei fortlaufend an die aktuelle Belastbarkeit und Ihre individuellen Ziele angepasst.

Die Wiederaufnahme von sportlichen Aktivitäten sollte in Absprache mit Arzt und Physiotherapie erfolgen. Autofahren ist meist nach 4 bis 6 Wochen wieder möglich, wenn keine Gehstöcke mehr benötigt werden.

Keine Zahnsanierung nach Hüftoperation

Absehbare Zahnsanierungen sollten vor einer Hüftoperation durchgeführt werden. Eine gute und regelmässige Zahnhygiene ist wichtig. In den ersten 3 Monaten nach der Hüftoperation sollten keine Zahnsanierungen durchgeführt werden, es sei denn es handle sich um eine Infektion. Vor zahnärztlichen Eingriffen ist eine gut durchgeführte Mundspülung mit einem Antiseptikum wichtig. Eine Prophylaxe mit Antibiotika vor dem Zahnarztbesuch ist nur in seltenen Fällen, bei Vorliegen einer Immunsuppression zu erwägen. (Empfehlung gemäss Übersichtsartikel Expertengruppe Infektionen swiss orthopaedics, Sendi et al, J. Bone Joint Infect 2016; 1: 42)

Erfolgsaussichten

Gewisse muskuläre Restbeschwerden sind im postoperativen Verlauf für 2-3 Monate als normal zu bezeichnen. Bei vielen Patienten kann es zu leichten Anlaufbeschwerden im Bereich der Leiste kommen, welche zum Beispiel auf den Druck der Wundhaken auf bestimmte Muskeln zurückzuführen sein können. Diese Beschwerden verschwinden in der Regel vollständig. Die grössten Fortschritte werden in den ersten sechs Monaten erzielt, wobei es auch danach zu weiteren Verbesserungen kommt. Das Endergebnis ist in der Regel nach zwei Jahren erreicht. 

Der Einsatz einer Hüfttotalprothese ist eine der erfolgreichsten Operationen der Orthopädie. Sie ist heute eine standardisierte Routineoperation mit den besten Ergebnissen und wird daher als «Operation des Jahrhunderts» bezeichnet. Sie verlangt aber noch heute Erfahrung und Sorgfalt. Mit jährlich über 1200 eingesetzten Hüftprothesen verfügt unser spezialisiertes Team über eine sehr umfassende Erfahrung. Über 96 Prozent unserer Patienten geben 6 Monate nach der Operation an, mit der Behandlung zufrieden zu sein. Dazu haben wir seit 2014 über 7400 Patienten befragt.  

Mittels nationalem Implantate-Register (SIRIS) wird die 2- resp. 5-Jahres Revisionsrate bei primären Hüftprothesen gemessen, d.h. wie viele Patienten innerhalb von 2 resp. 5 Jahren einen erneuten Eingriff am Kunstgelenk benötigen. Dabei liegen seit mehreren Jahren die Revisionsraten bei unseren Patienten im nationalen Vergleich signifikant tiefer als der Schweizer Durchschnitt, sowohl nach 2 als auch nach 5 Jahren. In der ausgewerteten Zeitspanne von 2012 bis 2020 beträgt diese in der Schulthess Klinik 1.2 resp. 1.5 Prozent, ist damit also nicht einmal halb so hoch wie der Schweizer Durchschnitt (2.6 resp. 3.5 Prozent). 

Risiken und Komplikationen beim Einsatz einer Hüftprothese

Wie jede Operation birgt auch der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks Risiken. Komplikationen sind jedoch insgesamt selten. Durch verbesserte Techniken sowie Materialien und zunehmende Spezialisierung der Ärzte können die Risiken niedrig gehalten werden.

Neben den allgemeinen Operationsrisiken gibt es spezifische Risiken des Hüftgelenkersatzes. Eine mögliche Komplikation eines Kunstgelenks ist die Ausrenkung (Luxation). Dabei springt der Hüftkopf aus der Hüftpfanne. Dieses Ereignis ist schmerzhaft und erfordert häufig eine Narkose, um das Gelenk wieder einzurenken.

Eine weitere Komplikation ist eine mögliche Infektion. Kann diese nicht eingedämmt werden, muss das Gelenk entfernt und entweder in der gleichen Operation (einzeitiger Wechsel) oder einer späteren Operation (zweizeitiger Wechsel) durch ein neues ersetzt werden.

Spürbare Beinlängendifferenzen nach Hüftprothesen sind möglich, mit der von uns eingesetzten Technik aber selten geworden. Beim Einbringen der Hüftprothese kann es selten zu Rissen im Knochen kommen, die eine zusätzliche Stabilisation erfordern. Schäden an den grossen Nerven und/oder Blutgefässen sind ebenfalls selten. Was jedoch häufig beobachtet wird, sind vorübergehende Gefühlsstörungen an der Aussenseite des Oberschenkels durch eine Beeinträchtigung kleiner Hautnerven.

Lebensdauer der Hüftprothese und Prothesenwechsel

Die Lebensdauer einer Hüftprothese wird für die aktuell verwendeten Materialien auf mindestens 15 bis 25 Jahre geschätzt. Mit der fortschreitenden Technik und neuen Materialien ist künftig eine längere Lebensdauer denkbar.

Die Lebensdauer hängt aber auch stark von der Belastung und weiteren Faktoren wie Knochenqualität etc. ab. Stop-and-go-Sportarten können sie negativ beeinflussen und sollten vermieden werden.

Ursachen für einen Prothesenwechsel

Auch ein künstliches Gelenk produziert Abrieb und verschleisst mit der Zeit. Dadurch kann eine Entzündung entstehen und der Knochen zieht sich von der Prothese zurück – die Prothese lockert sich. Die Lockerung kann entweder die Pfanne, den Schaft oder beide Komponenten betreffen. Die häufigsten Gründe für einen Hüftprothesenwechsel (Revision) sind Abrieb und Lockerung, wiederholte Ausrenkungen (Luxationen), Knochenbrüche und Infektionen. 

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