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Forschungsschwerpunkte

Die Schulthess Klinik hat eine langjährige Forschungstradition. Bereits 1972 legte Prof. Norbert Gschwend mit klinikinternen Registern für Hüft- und Knieprothesen den Grundstein für die Outcome-Forschung. In der Schulthess Klinik hat sich die Forschung seither fortlaufend systematisch weiterentwickelt. Erfahren Sie, mit welchen Forschungsschwerpunkten sich unsere Forschungsabteilung und die Ärztinnen und Ärzte beschäftigen.

Outcome-Forschung

Als Outcome bezeichnet man das Ergebnis einer Behandlung wie z. B. einer Operation. Die Outcome-Forschung untersucht diesen Behandlungserfolg aus der Patientenperspektive. Das Hauptziel ist hierbei, die Behandlungen mithilfe der Outcome-Forschung stetig zu verbessern, sicherer zu machen und die Patientenzufriedenheit zu garantieren. Dazu haben wir seit 2004 über 153 000 Patientenbefragungen durchgeführt.

Um den Zustand nach einer Behandlung beurteilen zu können, erheben wir an der Schulthess Klinik einerseits objektive Daten wie etwa Kraft und Beweglichkeit, andererseits subjektive Daten wie z. B. die Schmerzen aus Sicht der Patienten. Alle Daten werden in sogenannten Registern gesammelt, um später wichtige Vergleiche ziehen zu können.

So messen wir standardisiert das Behandlungsergebnis aus Patientensicht und entwickeln Entscheidungshilfen für Chirurgen anhand von Vorhersagemodellen. Ebenso testen wir, welche Messinstrumente sich dazu eignen.

Medizinische Register

Die Schulthess Klinik erfasst routinemässig gesundheitsbezogene Personendaten aus dem klinischen Alltag in medizinischen Registern. Diese dienen der systematischen, patientenübergreifenden Auswertung von Krankheitsverläufen. 

Register erleichtern die Bündelung und das rasche Bereitstellen von Informationen, die für wissenschaftliche Zwecke, die klinische Entscheidungsfindung und die Qualitätskontrolle wesentlich sind. Die Erfassung des Ausgangsstatus und der Behandlungsergebnisse ist für die Beurteilung der Wirksamkeit einer Behandlung aus Patientensicht zentral und deshalb seit vielen Jahren ein wichtiger Grundpfeiler unserer Forschung. Die medizinischen Register bilden dabei die Basis für die Outcome-Forschung.
 

Klinische Studien

An der Schulthess Klinik führen die Forschungsgruppen, in enger Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten, klinische Studien in verschiedenen Bereichen durch. Das Ziel ist es, gesundheitsbezogene Interventionen, Behandlungen, Arzneimittel und Medizinprodukte auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit zu prüfen. Die daraus resultierenden Erkenntnisse fliessen in den klinischen Alltag ein. Nur so können wir eine kontinuierliche Optimierung der Behandlungen ermöglichen. 

Bevor die Studie erfolgt und Patientinnen sowie Patienten rekrutiert werden dürfen, muss jede klinische Studie von der Ethikkommission ein positives Votum erhalten. Dabei werden Patienten- und Datensicherheit sowie die Produktsicherheit beurteilt.

Die Durchführung jeder klinischen Studie durchläuft verschiedene Phasen. Erfahren Sie mehr dazu unter Studienphasen.

Prognostische Studien

Ein wesentliches Ziel von prognostischen Studien ist die Vorhersage des weiteren Krankheitsverlaufs. Die Prognose hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, welche zum Zeitpunkt der Prognosestellung bekannt sind. 

Beim Behandlungsentscheid übernehmen die Ärzte eine grosse Verantwortung. Dabei steht das bestmögliche Therapieergebnis aller Patienten im Mittelpunkt. Die möglichst präzise Vorhersage eines Interventionsergebnisses kann die Entscheidung für eine Behandlung erheblich unterstützen.

Moderne prognostische Modelle

Anhand prognostischer Modelle können wir an der Schulthess Klinik aus den erfassten patienten- und krankheitsspezifischen Merkmalen den Effekt einer Behandlung bestimmen. Ebenfalls lassen sich mögliche Risikofaktoren identifizieren. Auf diese Weise konnten wir z. B. aus unserer eigenen Datenbank Prognosemodelle für Patienten mit Bandscheibenvorfällen im Lendenbereich erstellen. Damit können wir realistische Erwartungen an das Ergebnis der Operation stellen und die Patientenzufriedenheit nach der Operation verbessern.

Grundlagenforschung

Erkrankungen am Bewegungsapparat sind eine grosse Herausforderung für unsere immer älter werdende Gesellschaft. Eine hohe Lebensqualität, der Erhalt der Beweglichkeit und ein aktiver Lebensstil - auch im Alter - sind ein primäres Ziel unserer Klinik. Biomechanische Studien helfen dabei, die Funktion des Bewegungsapparates und die Ursachen einer muskuloskelettalen Erkrankung fundierter zu verstehen. Im weitreichenden Gebiet der Grundlagenforschung betätigen wir uns in den drei nachfolgend aufgeführten Bereichen:

  • Entwicklung von Bewegungsmodellen
  • Konstruktion von Geräten und Technologien
  • Untersuchungen von Gewebe und Strukturen

Klinische Bewegungsanalyse

Mit dem Ziel, die Behandlungsergebnisse und die Patientenzufriedenheit zu verbessern, untersuchen wir an der Schulthess Klinik die Bewegungen von Personen mit verschiedenen orthopädischen Krankheiten (z. B. mit Gelenkersatz). Die klinische Bewegungsanalyse hilft dabei, die Beziehung zwischen Betroffenencharakteristiken (z. B. Alter oder Geschlecht), der gewählten Behandlungsoption (z. B. Implantattyp, Rehabilitationsprogramm) und dem chirurgischen Ergebnis (z. B. gewonnener Mobilität) zu verstehen.

Mithilfe von 3D-Kameras, Kraftmessplatten, Elektromyographie (EMG)-Sytemen und weiteren Technologien beurteilen und untersuchen wir Bewegungen während verschiedener Aktivitäten. Diese Analysen helfen uns zum Beispiel dabei, den Einfluss von Implantatdesigns und Operationstechniken auf die Bewegung und das Wohlbefinden der Patienten zu definieren.

Erforschung der Skelettmuskulatur

Die Erforschung der Skelettmuskulatur ist ein essentieller Bestandteil für die Entwicklung neuer Rehabilitationsprozesse und Operationsmethoden. Dabei ist es wichtig, die Beeinträchtigung der Muskelfunktionen mit genauen und objektiven Methoden zu messen. Erst wenn wir die möglichen Ursachen und Folgen der eingeschränkten Muskelfunktion identifiziert haben, können wir neue Interventionen entwickeln, mit welchen sich wiederum die Effektivität von Operationen und Rehabilitationsprogrammen untersuchen lässt.
 

Entwicklung von Gelenkprothesen

Unsere erfahrenen Chirurgen arbeiten bei der Entwicklung neuer Gelenkprothesen eng mit Spezialisten aus der Ingenieursbranche zusammen. Schulter-, Ellbogen- und Fingermittelgelenkprothesen sind erfolgreiche Beispiele für Ersatzgelenke, die an der Schulthess Klinik entwickelt wurden.

Die ersten Entwicklungsschritte erfolgen in der Computersimulation, welche vom Bau der Prototypen gefolgt werden. Die Prototypen werden anschliessend diversen biomechanischen Tests im Labor unterzogen und umfassend geprüft. In einem späteren Schritt setzen wir die Prototypen bei Patienten unter enger Überwachung und im Rahmen einer klinischen Studie ein. Um die Personensicherheit zu gewährleisten, dokumentieren und evaluieren wir die Langlebigkeit der Gelenkprothesen zusätzlich innerhalb unserer Register. 

Standardisierung chirurgischer Komplikationen

Chirurgische Komplikationen sind ein wichtiger Indikator für die Qualität einer Behandlung. Mithilfe eines Komplikationsmanagements können wir Risikofaktoren einer Behandlung aufdecken und die Patienten besser über die Risiken eines orthopädischen Eingriffs informieren. Nichtsdestotrotz existieren keine akzeptierten, einheitlichen Standards für die Berichterstattung über das Auftreten chirurgischer Komplikationen.

Die Schulthess Klinik arbeitet deshalb intensiv daran, eine einheitliche Definition sowie einen Standard für die Dokumentation von Komplikationen im Bereich orthopädischer Eingriffe zu entwickeln. Damit soll, eine weltweite Übereinstimmung und Vergleichbarkeit erreicht werden. An der Schulthess Klinik führen wir den Prozess der Standardisierung chirurgischer Komplikationen bereits bei zwei Schulteroperationen – der Sehnenrekonstruktion und dem Schultergelenkersatz – sowie nach der Behandlung von Oberarmbrüchen durch.

Analysen zu Kosten, Effektivität und Nutzen

Viele wissenschaftliche Studien beleuchten den medizinischen Nutzen von Operationen. Diese Informationen sind sinnvoll und von wesentlichem Interesse für die Patienten. Doch wie verhält es sich mit dem ökonomischen Nutzen einer solchen Operation? Steigende Gesundheitskosten sind seit Jahren weltweit ein grosses Thema. Der Anspruch auf eine belegte Kosteneffizienz wird damit immer wichtiger. Forschungen im Bereich der Gesundheitskosten sind in der Orthopädie noch selten. Es gibt bisher nur wenige Studien mit Kostendaten aus der Schweiz. Genau aus diesem Grund führt die Schulthess Klinik umfassende Kosten-Nutzen-Studien durch.

Damit wir Aussagen über die Kosteneffektivität einer Behandlung machen können, erfassen wir an einer grossen Patientenanzahl sämtliche entstandenen medizinischen Kosten innerhalb einer Kosten-Nutzen-Studie. Die Zusammenarbeit mit den grossen Krankenversicherungen ist dabei eine Voraussetzung. Anhand realer Daten aus dem klinischen Alltag, können wir somit die Kosteneffizienz einer Behandlung berechnen und nachweisen.