Aktuelles Forschung für die Wirbelsäule: Wundinfektionen früh erkennen
Eine Wundinfektion nach einer Wirbelsäulenoperation früh zu erkennen, ist oft schwierig. Forschende der Schulthess Klinik und des AO Research Institute Davos haben nun charakteristische Veränderungen im Immunsystem entdeckt, die früh auf eine Infektion hinweisen. Die Erkenntnisse helfen, Wundinfektionen nach einer Operation besser zu erkennen und damit unnötige Folgeeingriffe zu vermeiden.
Eine Wundinfektion gehört zu den schwerwiegendsten Komplikationen nach einer Wirbelsäulenoperation. Eine schwere Infektion kann dazu führen, dass der Körper in grossem Ausmass geschwächt wird und zusätzliche Operationen nötig sind. Das verzögert den Heilungsverlauf und bedeutet für Betroffene eine grosse körperliche und psychische Belastung.
Gleichzeitig ist die Diagnose oft anspruchsvoll. Nach einer Operation laufen im Körper zahlreiche Heilungsprozesse ab. Entzündungswerte im Blut können deshalb sowohl auf eine normale Heilungsreaktion als auch auf eine Infektion hinweisen. Die Unterscheidung ist oft schwierig. Ein Forschungsteam der Schulthess Klinik und des AO Research Institute Davos hat deshalb untersucht, wie das Immunsystem auf eine Infektion nach einer Wirbelsäulenoperation reagiert.
Das Immunsystem hinterlässt einen Fingerabdruck
Die Forschenden analysierten Blutproben von Patientinnen und Patienten, die sich an der Schulthess Klinik einer Operation an der Lendenwirbelsäule unterzogen hatten. Dabei verglichen sie Personen mit einer Wundinfektion mit solchen, deren Heilung ohne Komplikationen verlief.
Das Ergebnis: Bei infizierten Personen zeigte das Immunsystem ein deutlich anderes Muster als bei solchen ohne Infektion. Bestimmte Abwehrzellen waren im Blut seltener vorhanden, während andere Immunzellen verstärkt aktiviert wurden. Zusammen ergab sich ein charakteristischer «Fingerabdruck» einer Infektion, der mit einem speziellen Bluttest nachgewiesen werden kann.
Schnellere Diagnose, weniger belastende Eingriffe
«Wundinfektionen nach Wirbelsäulenoperationen früh zu erkennen, ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Unsere Studie zeigt, dass das Immunsystem dabei wichtige Hinweise liefert», sagt Prof. Dr. med. Markus Loibl, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie und Initiator der Studie. Die Ergebnisse helfen damit, Infektionen besser zu diagnostizieren. Je früher und sicherer eine Infektion erkannt wird, desto schneller kann die passende Behandlung eingeleitet werden. Dadurch steigen die Chancen, eingesetzte Implantate zu erhalten und aufwendige Folgeoperationen zu vermeiden. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das weniger Belastung und bessere Heilungschancen.
Die Studie eröffnet zudem neue Einblicke in die Rolle des Immunsystems bei Wirbelsäuleninfektionen. Dieses Wissen schafft eine Grundlage für zukünftige Behandlungsansätze, die gezielt die körpereigene Abwehr unterstützen.
Fünf Jahre Forschungskooperation
Erstautorin der Studie ist Pia Fehrenbach, Doktorandin am AO Research Institute Davos und an der Universität Amsterdam. Die Arbeit entstand in fünfjähriger enger Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Forschungsteam des AO Research Institute Davos unter der Leitung von Prof. Dr. Sybille Grad sowie Spezialistinnen und Spezialisten der Schulthess Klinik und Prof. Dr. med. Siegmund Lang aus dem Universitätsklinikum Regensburg. Aufseiten Schulthess Klinik waren an der Studie beteiligt Prof. Dr. med. Markus Loibl, PD Dr. med. Tamás Fekete, PD Dr. med. Daniel Haschtmann und Dr. med. Maja Gocević aus der Wirbelsäulenchirurgie.
Ermöglicht durch die AO Foundation und den Forschungsfonds der Schulthess-Stiftung
Unterstützt wurde die Studie durch Mittel der AO Foundation und des Forschungsfonds der Schulthess-Stiftung. Die Studie zeigt beispielhaft, wie Forschung an der Schulthess Klinik entsteht und wirkt: Relevante Fragen aus dem Klinikalltag werden wissenschaftlich untersucht, neue Erkenntnisse gewonnen und diese wiederum in die Behandlung zukünftiger Patientinnen und Patienten eingebracht. So fliessen Forschung und klinische Praxis direkt ineinander – zum Nutzen der Betroffenen.