Kinder- und Jugendorthopädie
Jahresbericht 2025
Verantwortung von Anfang an
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Wachstum, Entwicklung und langfristige Perspektiven verlangen besonders sorgfältige Entscheidungen – medizinisch wie menschlich. In der Kinder- und Jugendorthopädie verbinden wir spezialisierte Expertise mit fachgebietsübergreifender Zusammenarbeit und einem klaren Fokus auf die Zukunft unserer jungen Patientinnen und Patienten.
Mut zur Amputation
Manchmal bedeutet gute Medizin, einen schwierigen Entscheid zu treffen. Der neunjährige Ilai aus dem Wallis kam mit einem schweren Defekt des rechten Beines zur Welt. Sein gesamtes Schienbein war nicht vorhanden. Der Unterschenkel war damit funktionslos. Über Jahre wurde er mit einer aufwendigen Orthoprothese versorgt, einer Kombination aus Stütze und Ersatz des fehlgebildeten Beines. Verschiedene Rekonstruktionsmöglichkeiten mit bis zu 20 Operationen, unzähligen Klinikaufenthalten und unsicherem funktionellem Ergebnis standen als mögliche Behandlung zur Diskussion. Nach intensiven und sehr persönlichen Gesprächen mit Ilai und seiner Familie entschieden wir uns gemeinsam für eine Amputation des nicht funktionsfähigen Unterschenkels.
Was zunächst radikal klingt, war medizinisch und funktionell die überzeugendste Lösung: Mit einer einzigen Operation und moderner Prothesentechnik haben wir ein ausgezeichnetes Ergebnis erreicht. Die Operation führten wir gemeinsam mit einem international renommierten Spezialisten durch. Für Ilai bedeutet dies jetzt, bereits wenige Monate nach der Operation, vor allem neue Bewegungsfreiheit und eine klare Perspektive für seine Zukunft.
Kniechirurgie bei jungen Sportlerinnen und Sportlern
In den vergangenen drei Jahren nahm die Zahl der Kniegelenksoperationen bei Kindern und Jugendlichen deutlich zu. Dies betrifft vorwiegend Kniebinnenverletzungen, wie Knorpelschäden, Meniskusverletzungen und Kreuzbandrisse. Die verletzten Kinder und Jugendlichen erhalten sehr schnellen Zugang zu unseren Spezialsprechstunden, damit unmittelbar und zielführend gehandelt werden kann.
Gerade bei den noch wachsenden Kindern ist eine präzise Diagnostik entscheidend. Gemeinsam mit den Abteilungen Radiologie, Physiotherapie, Sportmedizin und Kniechirurgie prüfen wir sorgfältig, ob eine Operation sinnvoll ist oder eine andere Therapie ausreicht. Ziel ist, weder Verletzungen zu übersehen noch unnötig zu operieren, sondern die langfristige Stabilität und Funktionalität des Knies zu sichern.
Fehlbildungen früh erkennen und richtig untersuchen
Behandlungsqualität beginnt oft bei der Früherkennung. Beim jährlichen Kurs «Hüftdysplasie und Sonografie der Säuglingshüfte» steht die Frage im Zentrum, wie Fehlentwicklungen der Hüfte möglichst früh erkannt werden. Gemeinsam mit Prof. Reinhard Graf, der das heute etablierte Untersuchungsverfahren vor fast 30 Jahren entwickelt hat, sowie unseren Spezialistinnen und Spezialisten vermitteln wir aktuelles Wissen in Vorträgen, Fallbeispielen und praktischen Übungen.
Seit rund 15 Jahren organisieren wir ebenfalls jährlich den kinderorthopädischen Untersuchungskurs. Der Kurs findet gemeinsam mit dem Berufsverband «Kinderärzte Schweiz» statt und ist bei den Teilnehmenden aufgrund der hohen Interaktivität sehr beliebt.
So gewinnen Kinderärztinnen und Kinderärzte Sicherheit in der Diagnostik und können bei betroffenen Kindern frühzeitig die passende, möglichst schonende Behandlung in die Wege leiten.