Rheumatologie und Rehabilitation
Jahresbericht 2025
Schnellere und präzisere Diagnosen mit Ultraschall
Ist die lange Bizepssehne gerissen – oder nicht? Diese Frage stellt sich häufig bei Schulterschmerzen. Die Diagnose ist jedoch nicht immer einfach. Lässt sich der Verdacht mit der körperlichen Untersuchung nicht eindeutig klären, wird häufig eine Magnetresonanztomografie (MRT) als weiterführende Bildgebung veranlasst – mit zusätzlichem Zeitaufwand für die Betroffenen und hohen Kosten. Eine Alternative bietet die Untersuchung mit Ultraschall an. Der Vorteil des Ultraschalls: Er kann direkt in der Sprechstunde durchgeführt werden und liefert sofort ein genaues Ergebnis. Allerdings ist seine Aussagekraft stark vom Können und von der Erfahrung der untersuchenden Person abhängig. Gerade bei älteren oder kräftigeren Patientinnen und Patienten ist ein Sehnenriss nicht immer leicht erkennbar.
Unser Ultraschallteam der Rheumatologie und Rehabilitation hat sich intensiv mit genau dieser Herausforderung beschäftigt. In einer aktuellen Fachpublikation beschreibt das Team eine neue, standardisierte Vorgehensweise für die Ultraschalluntersuchung der langen Bizepssehne.
Neue Orientierung für einfachere Untersuchung
Der entscheidende Perspektivenwechsel: Anstatt sich direkt auf die Sehne selbst zu fokussieren, wird der Bereich untersucht, in dem der Muskel in die Sehne übergeht, und dessen Position betrachtet. Folgt diese nicht einem bestimmten Muster, ist dies ein klares Indiz dafür, dass die Sehne einen Riss hat. Oder, um es am Beispiel eines aufgehängten Blumentopfs zu erklären: Man schaut nicht, ob das Seil einen Defekt hat, sondern darauf, wie der Blumentopf hängt.
Diese klare Orientierung erhöht die diagnostische Sicherheit und vereinfacht die Untersuchung. Mit der strukturierten Anleitung können auch weniger erfahrene Kolleginnen und Kollegen, beispielsweise in Hausarztpraxen, zuverlässiger beurteilen, ob ein Riss der Bizepssehne vorliegt. Weitere Studien und Anleitungen zu diesem Thema sind in Arbeit.
Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: schneller Klarheit direkt in der Sprechstunde, weniger unnötige Zusatzuntersuchungen und eine raschere Einleitung der passenden Therapie. Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für Schulter- und Ellbogenchirurgie. Diese direkte und unkomplizierte fachgebietsübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht, neue Erkenntnisse rasch in die Praxis zu übertragen – ein Ansatz, der unsere Klinik auszeichnet.
Die Rheumatologie der Schulthess Klinik verfügt über eine hohe Ultraschall-Expertise, sowohl in der präzisen Diagnosestellung als auch bei ultraschallgesteuerten Behandlungen. Dieses Wissen gibt das Team aktiv weiter in Weiterbildungen, in Forschung und Lehre sowie in der Ausbildung von Fachpersonen.