Aktuelles Schulthess Clinic Academy 2026: Wissen weitergeben im Sinne von Norbert Gschwend
Wie entwickelt sich die Schulterchirurgie weiter und wie kommen neue Erkenntnisse möglichst schnell den Patientinnen und Patienten zugute? Genau darum ging es an der Schulthess Clinic Academy 2026 mit integrierter Gschwend Lecture im Gedenken an den Orthopädie-Pionier Prof. Dr. med. Norbert Gschwend.
Rund 215 Teilnehmende diskutierten an der zweitägigen Schulthess Clinic Academy aktuelle Entwicklungen in der Schulter- und Ellbogenchirurgie, moderne Prothesen und neue Operationstechniken. Im Zentrum stand dabei ein Gedanke, der die Schulthess Klinik seit Jahrzehnten prägt: Wissen teilen, voneinander lernen und Behandlungen stets weiterentwickeln.
Praxisnaher Austausch zu modernen Behandlungskonzepten
Ein besonders wichtiger Aspekt ist der praxisorientierte Charakter der Academy. Gastgeber und wissenschaftlicher Leiter Prof. Dr. med. Markus Scheibel, Chefarzt Schulter- und Ellbogenchirurgie, führte unter anderem eine Live-OP durch, bei der alle Teilnehmenden jeden seiner Schritte auf der grossen Leinwand übertragen mitverfolgen konnten. Gemeinsam mit weiteren OP-Aufzeichnungen und Falldiskussionen ermöglichte dies direkte Einblicke in aktuelle Operationstechniken und moderne Behandlungskonzepte.
Inhaltlich standen aktuelle Entwicklungen in der Schulterchirurgie im Fokus – insbesondere moderne inverse Schulterprothesen und individualisierte Behandlungskonzepte. Ergänzt wurde das Programm durch internationale Gastreferierende sowie eine gemeinsame Session mit dem HSS, das remote zur Veranstaltung zugeschaltet war.
Für Markus Scheibel ist der Austausch bei der Academy zentral: «Die Schulter- und Ellbogenchirurgie entwickelt sich kontinuierlich weiter. Umso wichtiger ist es, neue Erkenntnisse kritisch zu diskutieren, Erfahrungen zu teilen und moderne Techniken praxisnah weiterzugeben.»
Ein Pionier der Orthopädie
Der Donnerstagabend stand im Zeichen der Gschwend Lecture. Der Name erinnert an Prof. Dr. med. Norbert Gschwend (1925–2020), einen der grossen Pioniere der Orthopädie und eine prägende Persönlichkeit der Schulthess Klinik. Der langjährige Klinikdirektor entwickelte die Klinik über Jahrzehnte entscheidend mit und machte sie weit über die Schweiz hinaus bekannt.
Gschwend war ein früher Wegbereiter des heutigen Gelenkersatzes. Er prägte den Wandel zur modernen orthopädischen Chirurgie und setzte früh auf Kunstgelenke – ein damals viel diskutierter Ansatz. An der Schulthess Klinik entwickelte er als Miterfinder verschiedene Prothesen mit. Zudem war er überzeugt, dass Spezialisierung, wissenschaftlicher Austausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit entscheidend für bessere Behandlungsergebnisse sind. Besonders am Herzen lag ihm die Förderung junger Ärztinnen und Ärzte.
Neben seiner chirurgischen Tätigkeit engagierte Gschwend sich intensiv in der Forschung und Lehre. In den 1970er-Jahren legte er mit der klinikinternen Dokumentationsstelle für Hüft- und Knieprothesen den Grundstein für die heutige Outcome-Forschung der Schulthess Klinik. Die systematische Erfassung von Behandlungsergebnissen war damals ein Novum und bildet bis heute eine wichtige Grundlage der Forschung an der Schulthess Klinik.
Diese Haltung prägt die Schulthess Klinik bis heute. Forschung, klinische Erfahrung und Weiterbildung greifen eng ineinander. Neue Erkenntnisse sollen nicht im Hörsaal bleiben, sondern möglichst direkt den Patientinnen und Patienten zugutekommen. Mit der Gschwend Lecture wird dieses Vermächtnis weitergeführt als Plattform für internationalen Wissensaustausch in der Orthopädie.
Internationale Perspektive auf die Schulterprothetik
An der diesjährigen Gschwend Lecture wurde Prof. Dr. med. Pascal Boileau aus Nizza, für seine Arbeit gewürdigt. Pascal Boileau gehört zu den international prägendsten Schulterchirurgen der vergangenen Jahrzehnte. In seinem Vortrag «Past, Present and Future of Shoulder Arthroplasty – My 30-year Odyssey through Shoulder Replacement» zeigte er die Entwicklung von Schulterprothesen über drei Jahrzehnte auf. Im Fokus standen der Wandel von frühen Prothesen hin zu modernen inversen (also umgekehrt eingesetzten) Systemen sowie zunehmend individualisierte Lösungen für unterschiedliche Krankheitsbilder und Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten.
Neben seiner aussergewöhnlich grossen Publikations- und Vortragstätigkeit war Prof. Boileau unter anderem an der Entwicklung der Aequalis-Schulterprothese beteiligt, einem der ersten künstlichen Schultergelenke, das aus mehreren Bausteinen individuell kombinierbar war.
In folgendem Social-Media-Video spricht Prof. Boileau darüber, warum die Gschwend Lecture für ihn eine besondere Bedeutung hat:
Wissen weitergeben für bessere Behandlungsergebnisse
Die Academy zeigt, wie eng Tradition, Forschung und klinische Praxis an der Schulthess Klinik verbunden sind. Der Gedanke von Norbert Gschwend lebt weiter: Medizinische Exzellenz entsteht dort, wo Wissen geteilt, hinterfragt und gemeinsam weiterentwickelt wird. Davon profitieren letztlich vor allem die Patientinnen und Patienten: durch präzisere Diagnostik, individuellere Behandlungskonzepte und somit bessere Voraussetzungen für zurückgewonnene Beweglichkeit und Lebensqualität.