News Forschung für die Wirbelsäule: Wenn Patientenerfahrungen vergleichbar werden
Um herauszufinden, wie es Patientinnen und Patienten nach Operationen geht, befragen wir sie seit über 20 Jahren mit speziellen Patientenfragebögen. Nun lassen sich erstmals die Resultate zweier verschiedener Fragebögen für die Halswirbelsäule vergleichen. Ein grosser Schritt für die Wirbelsäulenforschung, denn damit wächst das Wissen darüber, welche Operationen den Betroffenen wirklich helfen.
Nach einer Operation an der Wirbelsäule zählt nicht nur, was auf dem Röntgenbild zu sehen ist. Wichtiger ist, wie sich die Patientinnen und Patienten fühlen: Wie sind die Schmerzen? Hat sich die Beweglichkeit verbessert? Wie hat sich der Alltag durch die Operation verändert? Wie gut ist die Lebensqualität? An der Schulthess Klinik erfassen wir genau das, indem wir die Patientinnen und Patienten befragen. In der Fachsprache nennt man das Patient-Reported Outcome Measures, kurz PROMs: standardisierte Fragebögen, die Betroffene selbst ausfüllen.
Dies geschieht zum Beispiel mit einem Fragebogen für Operationen an der Halswirbelsäule, der an der Schulthess Klinik entwickelt wurde und seit 15 Jahren in ganz Europa standardmässig verwendet wird – der sogenannte «Core Outcome Measures Index-neck (COMI-neck)». Das Ziel ist immer, herauszufinden, welche Eingriffe welchen Betroffenen das beste Resultat bringen.
Neues Umrechnungsmodell
Die Herausforderung bei PROMs: Weltweit nutzen verschiedene Kliniken und Studien unterschiedliche Fragebögen. Die Folge sind Daten, die sich kaum vergleichen oder zusammen auswerten lassen. So ist in den USA ein anderer Fragebogen für die Halswirbelsäule weit verbreitet – der sogenannte «Neck Disability Index (NDI)». Erstmals sind nun die Resultate dieser beiden häufig verwendeten Patientenfragebögen zuverlässig ineinander «übersetzbar». Ein Umrechnungsmodell – ein sogenannter Crosswalk – macht das möglich.
Dieser Schritt hat grosse Wirkung: «Wenn Patientenerfahrungen besser vergleichbar werden, wächst auch das Wissen darüber, welche Operationen wirklich einen Unterschied machen», erklärt Prof. Dr. med. Markus Loibl, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie und einer der Studien-Autoren zu diesem Umrechnungsmodell.
Ein Gewinn für Forschung und Praxis
Für die Behandlungspraxis und die Forschung ist das ein grosser Gewinn. Denn diese neue Vergleichbarkeit schliesst eine Lücke. Sie fördert die Zusammenarbeit und unterstützt gross angelegte internationale Forschungsprojekte, an denen mehrere Kliniken beteiligt sind. Davon profitieren schlussendlich Patientinnen und Patienten: Je besser Behandlungsergebnisse vergleichbar sind und je mehr dazu geforscht wird, desto klarer zeigt sich, welche Therapien bei Halswirbelsäulenproblemen sinnvoll sind. Auch für die Medizintechnik wird es einfacher, Behandlungsdaten aus dem Alltag sinnvoll zu nutzen und so geeignete Produkte zu entwickeln.
Grosse Datenbank als Basis
Die Studie basiert auf Daten aus dem internationalen Wirbelsäulenregister Spine Tango, zu dem die Schulthess Klinik über viele Jahre beigetragen hat und Behandlungsergebnisse erfasst. Analysiert wurden die Daten von über 600 operierten Patientinnen und Patienten. Alle hatten sowohl vor als auch nach dem Eingriff beide Fragebögen ausgefüllt.
Die Studie wurde im European Spine Journal veröffentlicht.