Behandlung Pseudogicht – das Chamäleon der Kristallarthritiden
Die Pseudogicht, auch als Kalziumpyrophosphat-Ablagerungserkrankung bezeichnet, ist eine häufige, sehr schmerzhafte Gelenkerkrankung, die durch Kristallablagerungen in den Gelenken oder in gelenknahen Weichteilen verursacht wird. Vor allem ältere Personen können davon betroffen sein.
Symptome
Die Kalziumpyrophosphat-Arthritis tritt schubweise in einem oder wenigen Gelenken auf und äussert sich durch eine plötzlich auftretende, stark schmerzhafte Schwellung und Rötung. Typischerweise sind die Hand oder das Kniegelenk betroffen. Die Kalziumpyrophosphat-Ablagerungserkrankung kann jedoch auch andere Erscheinungsformen zeigen.
Die Erkrankung kann ähnlich wie eine rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) verlaufen und wird in diesem Fall als pseudorheumatoide Arthritis bezeichnet.
Die Symptome einer Kalziumpyrophosphat-Arthritis ähneln mitunter auch denen einer Polymyalgia rheumatica, mit muskelkaterähnlichen Schmerzen im Bereich des Schulter- und/oder des Beckengürtels.
Eine seltene Manifestation ist das sogenannte Crowned-Dens-Syndrom, bei dem es zu einer ausgeprägt schmerzhaften Entzündung der oberen Halswirbelsäule kommt. Ursache sind Kalziumpyrophosphat-Kristalle, die sich in den Bändern um den sogenannten Dens axis (Zahnfortsatz des zweiten Halswirbels) ablagern.
Ursachen
Kalziumpyrophosphatkristalle lagern sich vor allem im Knorpel der Gelenke sowie im gelenknahen Gewebe ab. Diese Ablagerungen können auf Röntgenbildern erkannt werden und werden als Chondrokalzinose bezeichnet.
Bei Personen über 60 Jahren finden sich in bis zu 15–20 % der Bevölkerung solche Ablagerungen auf Röntgenaufnahmen von Händen, Schulter-, Knie- und Hüftgelenken.
Nur ein Teil dieser Personen entwickelt jedoch eine Kristallarthritis.
Durch die Freisetzung von Kalziumpyrophosphatkristallen aus dem Gelenkknorpel kann es zur Entstehung einer Kristallarthritis kommen.
Insbesondere Verletzungen oder Infektionen können die Freisetzung der Kristalle im Gelenk begünstigen.
Die primäre, sogenannte idiopathische Form der Kalziumpyrophosphat-Arthritis ist mit Abstand die häufigste und tritt meist ab dem 60. Lebensjahr auf.
Sehr selten ist die hereditäre (vererbte) Form, die bereits in jüngeren Jahren manifest wird und häufig einen aggressiven Krankheitsverlauf zeigt. In solchen Fällen sind oft schon frühzeitig Gelenksersatzoperationen erforderlich, bedingt durch eine sekundäre Gelenkzerstörung infolge der chronischen Entzündung.
Diagnose
Der Schlüssel zur Diagnose ist die Gelenkpunktion zur Entnahme von Gelenkflüssigkeit, der sogenannten Synovialflüssigkeit. Der mikroskopische Nachweis von Kalziumpyrophosphat-Kristallen sowie eine hohe Zahl an Entzündungszellen (Leukozyten) im Gelenkpunktat sind beweisend für die Diagnose.
Die Kalziumpyrophosphat-Kristalle können unter dem Mikroskop im polarisierten Licht anhand ihrer typischen rhomboiden Form identifiziert werden.
Eine Röntgen- und Ultraschalluntersuchung kann durch den Nachweis von Kristallablagerungen im Knorpel oder Weichteilgewebe zusätzlich zur Diagnostik beitragen.
Behandlung
Eine Therapie mit Kortison-Medikamenten ist in der Regel die erste Wahl.
Intraartikuläre Infiltrationen mit Kortikosteroiden wirken rasch und effizient.
Auch eine systemische Therapie mit Kortison-Tabletten über wenige Tage führt in der Regel zu einer deutlichen Linderung der starken Schmerzen.
Zur Vorbeugung von Arthritis-Schüben kann Colchicin, ein aus der Herbstzeitlose gewonnener Wirkstoff, in niedriger Dosierung eingesetzt werden.
Immunsupprimierende Basistherapeutika wie beispielsweise Methotrexat oder Interleukin-Antagonisten werden ebenfalls eingesetzt, sind jedoch nur selten erfolgversprechend.
Kommt es infolge wiederholter Arthritis-Schübe zu Gelenkschädigungen, etwa in Form einer fortgeschrittenen Arthrose, besteht die Möglichkeit, das betroffene Gelenk operativ durch ein Kunstgelenk zu ersetzen und so die Funktion wiederherzustellen.