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News Kann man das Operationsergebnis bei einem Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule vorhersagen?

Unser Wirbelsäulen-Forschungsteam hat ein Prognose-Tool entwickelt, um das Ergebnis einer Bandscheibenoperation an der Wirbelsäule vorauszusagen. Die Patienten erhalten so eine realistische Einschätzung, was sie von einer Operation erwarten können.

Nicht jeder Bandscheibenvorfall (Diskushernie) an der Lendenwirbelsäule erfordert eine Operation. Je nach Leidensdruck des Patienten oder in dem Fall, wenn die Nerven durch die vorgefallene Bandscheibe so stark unter Druck sind, dass bereits Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen auftreten, wird eine Operation zum Thema. Doch wie viel Besserung kann eine Operation verschaffen? Was darf der Patient vom Eingriff erwarten? Hier hilft ein neuartiges Prognose-Tool, welches aufzeigt, wie in Abhängigkeit individueller Faktoren, das Resultat nach einer Operation mit hoher Wahrscheinlichkeit aussieht.

Das Prognose-Tool wurde von unserem Wirbelsäulen-Forschungsteam entwickelt und eine aktuelle Studie dazu in Zusammenarbeit mit der Universität Bern publiziert. Die Ergebnisse zeigen, dass mit dem Prognose-Tool in der Tat der Erfolg einer Dekompressionsoperation bei einem Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule gut vorhersagbar ist. 

Patientenaufklärung und realistische Erwartungen

Das Modell basiert auf patientenspezifischen Daten, die von über 1200 früheren Patienten der Schulthess Klinik vor und nach der Operation gesammelt wurden. Es zeigte sich, dass verschiedene Faktoren wie Alter, Geschlecht, allgemeiner Gesundheitszustand, Hauptbeschwerden, Schmerzstärke, Funktionseinschränkungen etc. einen signifikanten Einfluss auf das Operationsergebnis haben. Diese Patientendaten werden zur Berechnung herangezogen. Der Algorithmus berechnet die zu erwartende Intensität des Rücken- und/oder Beinschmerzes sowie den ebenfalls an der Schulthess Klinik entwickelten und international anerkannten COMI-Wert (multidimensional Core Outcome Measures Index) 12 Monate nach der Operation. Der COMI ist ein subjektiver patientenbezogener Score und beinhaltet neben der Schmerzstärke auch die Rückenfunktion, symptomspezifisches Wohlbefinden, Lebensqualität und Behinderung. 

Als Resultat wird ein individueller Wert mit einem Erwartungsbereich berechnet, der auf der umfassenden Datenbank der Schulthess Klinik mit Patienten mit denselben Einflussfaktoren beruht. Dieser Wert hilft dem Arzt und Patienten für eine realistische und ehrliche Patientenaufklärung und lässt realistische Erwartungen an ein Operationsergebnis zu.
 

Beispiel einer 48-jährigen Patientin mit einer gut kontrollierten Nebenerkrankung und einem präoperativen COMI-Wert von über 7, einem Rückenschmerzwert von 5 und einem Beinschmerzwert von 8. Nach der OP zeigte die Prognose je einen COMI-, Rücken- und Beinschmerzwert von 2.

Langjährige Outcome-Forschung

Seit über 16 Jahren dokumentiert die Schulthess Klinik die Ergebnisse ihrer operierten Wirbelsäulenpatienten und verfügt deshalb über eine schweizweit einzigartige Datenmenge, die solche Voraussagen stützen. Die Daten sind auch Teil des internationalen Spine Tango Registers der European Spine Society.

Dieses Prognose-Tool wird nun weiter getestet und ähnliche Tools für weitere Erkrankungen der Wirbelsäule sind in der Entwicklung. Das Tool ist bereits allen Medizinern für Forschungszwecke und auch interessierten Patienten zugänglich. Voraussetzung für die Analyse ist das Ausfüllen des COMI-Patientenfragebogens.

Zur Studie «Development and temporal validation of a prognostic model for 1‑year clinical outcome after decompression surgery for lumbar disc herniation»

 
PD Dr. med. Daniel Haschtmann

PD Dr. med. Daniel Haschtmann

Leitender Arzt Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie und Neurochirurgie
 
 
PD Dr. Anne Mannion Spezialistin Forschung

PD Dr. Anne Mannion, PhD

Scientific Consultant Spine Surgery and Neurosurgery