News Tennisarm ist nicht gleich Tennisarm

Der Tennisarm gehört zu den häufigsten Ellbogenleiden. Zur Behandlung ist erfreulicherweise sehr selten eine Operation nötig. Anders sieht es aus, wenn die Sehne gerissen ist und so chronische Tennisarmbeschwerden verursacht. In diesen seltenen Fällen kann eine Rekonstruktion der Sehne die langersehnte Linderung bringen.

Ein Tennisarm ist eine Entzündung der Strecksehne an der Aussenseite des Ellbogens. In den meisten Fällen steht am Anfang eine chronische Überlastung von bestimmten Sehnen. In der Regel führen Geduld und eine konservative (nicht operative) Behandlung zum Erfolg und lassen die Beschwerden ausheilen. Ist die betroffene Sehne nicht nur entzündet, sondern relevant geschädigt, können chronische Beschwerden den Alltag zur Qual machen. In solchen Fällen macht eine genauere Abklärung Sinn.

Bei chronischen Tennisarm-Beschwerden genauere Abklärung sinnvoll

Bei Patienten, bei denen die Strecksehne eine erhebliche Schädigung (einen Riss) aufweist, stellt sich die Frage nach der idealen Therapie, wenn die nicht operativen Ansätze versagt haben. Diesem Thema widmete sich unser Team, zusammengesetzt aus den Abteilungen Schulter- und Ellbogenchirurgie, Rheumatologie und Lehre, Forschung & Entwicklung. Das Team hat 20 Patienten mit langanhaltenden Tennisarmbeschwerden und gerissener Strecksehne mittels Operation behandelt und die Ergebnisse ausgewertet. Die Schlussfolgerung ist, dass bei Patienten mit chronischen Tennisarm-Beschwerden zu empfehlen ist, mittels MRI-Aufnahme zu prüfen, ob nicht eine gerissene Strecksehne der Übeltäter ist. Denn in diesem Fall kann eine Operation die langeersehnte Linderung bringen. Vorausgesetzt ist eine durch Physiotherapie begleitete Nachbehandlung von ca. drei Monaten.

Der Sehne eine Chance geben

Die 20 Patienten wurden zudem mit einer erfolgsversprechenden OP-Methode behandelt. Dabei wird die Strecksehne mithilfe eines knotenlosen Nahtankers rekonstruiert. Dabei wird die geschädigte Sehne nicht durchtrennt, sondern ihr eine Chance gegeben, an ihrem ursprünglichen Ansatzort wieder einzuheilen. Dies soll dem Ellbogen wieder ausreichend Stabilität im Alltag und Sport verschaffen. Die Studie zeigt, dass diese OP-Methode die Schmerzen deutlich zu lindern und die Armfunktionen zu verbessern vermag. Sie ist also bei Patienten mit Strecksehnenrissen am Ellbogen zu empfehlen.

Diese OP-Technik wird in der Schulthess Klinik bereits regelmässig bei Strecksehnenrissen am Ellbogen eingesetzt mit der Erwartung, dass so den betroffenen Patienten nachhaltig geholfen werden kann.

Mehr Informationen zur Publikation «High-grade Common Extensor Tendon Tears Maintaining Chronic Lateral Epicondylitis: Clinical and Structural Outcome Following Knotless Suture Anchor Repair»

MRI-Bild Tennisarm mit gerissener Sehne
MRI-Aufnahme mit abgerissener Strecksehne
 
Dr. med. Michael Glanzmann

Dr. med. Michael C. Glanzmann

Leitender Arzt Schulter- und Ellbogenchirurgie
 
 
Dr. Laurent Audigé Spezialist Forschung

Prof. Dr. Laurent Audigé, DVM PhD

Head of Research Group Upper Extremities and Hand Surgery