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News Ist die Rekonstruktion einer Rotatorenmanschette (Schultersehnenriss) ökonomisch sinnvoll?

Aus gesundheitlicher Sicht kann die Rekonstruktion einer gerissenen Rotatorenmanschette (Schultersehne) vielen Patienten helfen. Doch ist der Eingriff auch ökonomisch sinnvoll? Genau dies untersuchte unser Forschungs- und Ärzteteam zusammen mit dem Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie sowie 16 grossen Versicherungen der Schweiz mit einer Kosten-Nutzen-Analyse zur arthroskopischen Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion.

Nicht jeder Riss an der Schultersehne braucht eine Operation. In manchen Fällen ist aber eine Rekonstruktion der Sehne zu empfehlen, dies vor allem wenn ein Trauma (Unfall) zugrunde liegt oder wenn ein zunehmender Abbau bzw. eine Verfettung der Muskulatur bei einem Beschwerden verursachenden Riss vermieden werden soll. Ebenso sollte eine Operation besprochen werden, wenn bei einem verschleissbedingten Riss nichtoperative Massnahmen über längere Zeit zu keiner zufriedenstellenden Verbesserung führen.

Viele wissenschaftliche Operationen beleuchten den medizinischen Nutzen von Operationen, was sinnvoll ist und den Patienten in der Regel primär interessiert. Doch wie verhält es sich mit dem ökonomischen Nutzen einer solchen Operation? Vor dem Hintergrund der steigenden Gesundheitskosten und der dadurch steigenden Krankenkassenprämien wird der Anspruch auf eine nachgewiesene Kosteneffizienz immer wichtiger.

Kosteneffektiver Eingriff mit Steigerung der Lebensqualität

Die Studie verglich bei 153 Patienten die Schulterfunktion und Lebensqualität sowie die Kosten vor und nach der Operation. Die Kosten beinhalten sowohl die direkten medizinischen Kosten als auch den Produktivitätsverlust bei der Arbeit.

Die Kosten-Nutzen-Analyse der Studie zeigt, dass die arthroskopische Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion ein kosteneffektiver Eingriff ist, welcher die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert. Die Lebensqualität erhöhte sich bereits drei Monate nach der Operation stark, ebenso verbesserte sich die Schulterfunktion deutlich.

Die medizinischen Kosten stiegen im Jahr der Operation an, sanken im Folgejahr aber unter das Niveau von vor der Operation. Die entstandenen Kosten durch Produktivitätsverluste (aufgrund von Arbeitsausfällen und/oder Einschränkungen während der Arbeit) gehen bereits im Operationsjahr stark zurück. So kehrten von den 110 arbeitstätigen Patienten 106 Patienten (96%) wieder an ihre Arbeitsstelle zurück, durchschnittlich nach 2.5 Monaten. Schon 16 Wochen nach der Operation war der Produktivitätsverlust tiefer als vor der Operation.

Verrechnet man die gewonnene Lebensqualität und die Kosten miteinander, liegt das Kosten-Nutzen-Verhältnis deutlich unter der in der Schweiz diskutierten Schwelle für einen kostenwirksamen Eingriff.

Erste Kosten-Nutzen-Analyse mit realen Kosten und klinischen Daten

In der Schweiz gab es bisher noch keine Kosten-Nutzen-Analyse im Bereich der Schulterchirurgie, welche mit realen Kosten und klinischen Daten das Kosten-Nutzen-Verhältnis berechnete. Es lagen lediglich Analysen vor, welche Modelle oder Daten aus der Literatur verwendeten. Die Schulthess Klinik ist die erste, welche die Schulterfunktion und Lebensqualität der Patienten zu verschiedenen Zeitpunkten und zudem, zusammen mit dem Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie und den grossen Krankenkassen und Unfallversicherungen, sämtliche Kosten vor und nach der Operation erfasste.

Zur Studie «Cost-utility analysis of arthroscopic rotator cuff repair: A prospective health economic study using real-world data»

 
Dr. Laurent Audigé Spezialist Forschung

Prof. Dr. Laurent Audigé, DVM PhD

Head of Research Group Upper Extremities and Hand Surgery
 
 
Cécile Grobet

Cécile Grobet

Research Assistant Upper Extremities and Hand Surgery