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Behandlung Knieprothese – das künstliche Kniegelenk

Ein künstliches Kniegelenk ist ein Ersatz der natürlichen, abgenutzten Gleit- und Oberflächen des Kniegelenks.

Die Teile für den Oberflächenersatz, die Oberschenkelkappe und die Schienbeinplatte werden aus hochpoliertem Metall (Cobalt-Chrom-Legierung) hergestellt. Zwischen den Metalloberflächen befindet sich ein Knorpelersatz aus Polyethylen (ein hochentwickelter Kunststoff). Nachdem die Bestandteile des künstlichen Kniegelenks im Körper eingesetzt worden sind, werden sie durch die eigenen Kniebänder, die Gelenkkapsel sowie die Muskelkraft stabil zusammengehalten und während der Bewegung geführt.

Die Befestigung der Metalloberflächen am Knochen erfolgt meist mit speziellem Knochenzement. Bei sehr guter Knochenqualität kann eine Knieprothese auch zementfrei eingesetzt werden. Für die zementfreie Befestigung ist die Rückseite der Metallteile mit einer speziellen Oberfläche versehen, die das Einwachsen von Knochenzellen ermöglicht.

In der Schweiz werden pro Jahr circa 16 000 künstliche Kniegelenke implantiert, rund 850 davon in der Schulthess Klinik. Der Einsatz einer Knieprothese ist somit eine Routineoperation und in der Regel sehr erfolgreich.

Knieprothese
1 Schrägansicht einer Knieprothese von vorn

Anatomie

Das Kniegelenk ist ein grosses Gelenk und sehr komplex aufgebaut. Es erlaubt Streck-, Beuge- und in geringem Masse auch Drehbewegungen. Kniescheibe, Gelenkkapsel, Bänder (Seitenbänder, Kreuzbänder) und Aussen- sowie Innenmeniskus gewährleisten dabei die Stabilität. Die Gelenkflächen sind von einer glatten Knorpelschicht überzogen, die ein reibungsloses Gleiten der Gelenkteile ermöglicht. Weil das Kniegelenk starken Belastungen ausgesetzt ist, ist es aber auch stark verletzungsgefährdet.

Arthrose im Knie

Die Arthrose, eine degenerative und meist altersbedingte Abnützung der Knorpeloberflächen, löst Entzündungen und damit Schmerzen im Knie aus. Allmählich wird die Knochenstruktur weiter geschädigt und die Beweglichkeit stark eingeschränkt. Eine Arthrose kann nicht heilen, sie schreitet in der Regel fort, bis das Kniegelenk komplett zerstört ist. Die Abnützung des Kniegelenks ist die häufigste Ursache für den Kniegelenkersatz.

Die Arthrose kann sich auch als Folge eines entzündlichen Rheumatismus oder Jahre nach Knieverletzungen und nach Meniskusoperationen entwickeln. Für den Patienten sind das Ausmass der Knieschmerzen, das Hinken und die damit einhergehende Behinderung ausschlaggebend, den Arzt aufzusuchen. Dieser Leidensdruck, weniger das Alter des Patienten, ist im Entscheidungsprozess zur Implantation eines künstlichen Kniegelenks massgebend. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass alle heute zur Verfügung stehenden konservativen und therapeutischen (nicht operativen) Massnahmen ausgeschöpft worden sind oder keine Wirkung mehr zeigen.

Fortgeschrittene Arthrose des Kniegelenks
2 Fortgeschrittene Arthrose des Kniegelenks
Knieprothese Implantation des Gelenkersatzes
3 Nach Implantation des Gelenkersatzes

Operative Behandlung

Der Spitaleintritt erfolgt in der Regel am Operationstag. Die Operation kann entweder in Vollnarkose oder Teilnarkose durchgeführt werden und dauert in der Regel rund 75 Minuten. Das Kniegelenk muss dazu vorn durch einen Hautschnitt von ca. 15 bis 20 cm Länge eröffnet werden.

Die abgenutzten Gelenksoberflächen werden nach einem speziellen Schnittplan bearbeitet und so für den künstlichen Oberflächenersatz vorbereitet. Die exakte Grösse und die Art der Prothese werden anhand der präoperativen Röntgenbilder und der Vermessung während der Operation ausgewählt.

Arthrosebedingte Beinachsenabweichungen wie X- oder O-Beine werden während der Operation ebenfalls korrigiert. Es ist unvermeidbar, dass es während und vor allem nach der Operation zu einem Blutverlust kommt. Dieser ist allerdings selten so ausgeprägt, dass Bluttransfusionen notwendig sind, ausschliessen kann man einen Einsatz von Transfusionen jedoch nicht hundertprozentig.

Metallunverträglichkeit

Bei bekannter und ausgeprägter Nickel- oder Metallunverträglichkeit wird gemeinsam besprochen, ob eine allergologische Untersuchung auf eine Unverträglichkeit des verwendeten Metalls sinnvoll ist. Bei einer Metallunverträglichkeit – die aber sehr selten vorkommt – besteht die Möglichkeit, auf eine antiallergene Knieprothese auszuweichen.

Nachbehandlung und Rehabilitation

In der Phase unmittelbar nach der Operation stehen Schmerzbekämpfung und Bewegungstherapie im Vordergrund. Eine erfolgreiche Schmerzbehandlung liegt uns sehr am Herzen. Die Schmerztherapie nach der Operation erfolgt interdisziplinär in Zusammenarbeit mit Anästhesie, Physiotherapie, Pflege und dem behandelnden Arzt.

Am Schluss der Operation wird eine Lokalanästhesie injiziert, damit die Schmerzen nach dem «Aufwachen» des Gelenks bereits gedämpft sind. Mit einer konsequenten Schmerzmedikation unmittelbar nach der Operation werden die Schmerzen kontrolliert weiterbehandelt.

In der Regel erfolgt der Spitalaustritt vier bis sechs Tage nach der Operation. Falls der Patient oder die Patientin nach der Entlassung zuhause allein auf sich gestellt ist oder viele Treppen steigen muss, empfehlen wir, unsere Nachsorgelösung oder die Hilfe von Familienangehörigen in Anspruch zu nehmen.

Eine Rehabilitation unter stationären Bedingungen ist in der Regel nicht notwendig. Auf eine ambulante Fortsetzung der Physiotherapie sollte aber auf keinen Fall verzichtet werden. Bei Fragen zu einem stationären Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik oder einer Kur im Anschluss an den Aufenthalt in der Schulthess Klinik steht unser Case Management gerne zur Verfügung. Eine rechtzeitige Klärung der Kostendeckung für eine solche Rehabilitation ist dringend zu empfehlen.

Physiotherapie und Bewegung

Dank der Schmerztherapie ist eine Mobilisation durch die Physiotherapie noch am Tag der Operation möglich. Mit einer aktiven und passiven Bewegungstherapie werden Verklebungen der Gleitschichten im Kniegelenk und damit eine mögliche Einschränkung der Beweglichkeit verhindert. Patientinnen und Patienten werden während des Klinikaufenthaltes täglich durch die Physiotherapie betreut.

Der Gebrauch von Gehstöcken wird für 4 bis 6 Wochen empfohlen, wobei das operierte Knie in der Regel bis zur Schmerzgrenze belastet werden darf. Die Physiotherapie findet nach dem Spitalaufenthalt in der Regel zweimal pro Woche während 3 bis 4 Monaten statt. 

Autofahren ist erst nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt erlaubt. Mit Krafttraining, Fitness oder Sport können Sie nach Absprache mit der Physiotherapie oder Ihrem Arzt wieder beginnen.

Keine Zahnsanierung nach Knieoperation

Absehbare Zahnsanierungen sollten vor einer Knieoperation durchgeführt werden. Eine gute und regelmässige Zahnhygiene ist wichtig. In den ersten 3 Monaten nach der Knieoperation sollten keine Zahnsanierungen durchgeführt werden, es sei denn es handle sich um eine Infektion. Vor zahnärztlichen Eingriffen ist eine gut durchgeführte Mundspülung mit einem Antiseptikum wichtig. Eine Prophylaxe mit Antibiotika vor dem Zahnarztbesuch ist nur in seltenen Fällen, bei Vorliegen einer Immunsuppression zu erwägen. (Empfehlung gemäss Übersichtsartikel Expertengruppe Infektionen swiss orthopaedics, Sendi et al, J. Bone Joint Infect 2016; 1: 42)

Heilung und Erfolgsaussichten

Die Statistiken bestätigen, dass in über 90 Prozent der Fälle die Patienten mit dem künstlichen Kniegelenk sehr zufrieden sind und damit ein normales, unbeschwertes Leben führen können. Langzeitresultate zeigen ebenfalls, dass ein korrekt eingesetztes und gut eingeheiltes künstliches Kniegelenk problemlos mehr als 15 bis 20 Jahre funktionieren kann. Nach dieser Zeit sind es meist Verschleisserscheinungen, die dazu führen, dass einzelne Teile oder das ganze künstliche Kniegelenk ausgewechselt werden muss.

Wichtig ist auch, dass der Bewegungsumfang zurückgewonnen werden kann. Wir streben eine Beugung von über 110° an, meist werden aber 110°–130° problemlos erreicht. Ein mehr oder weniger definitives Heilergebnis ist allerdings erst nach zwölf bis achtzehn Monaten nach der Operation gegeben.

Die Haut im vorderen Kniebereich bleibt nach einer Knieoperation häufig für lange Zeit taub, da beim operativen Eingriff die Hautnerven durchschnitten werden müssen. In seltenen Fällen kann dieses Taubheitsgefühl auch dauerhaft sein.

Mit einem künstlichen Kniegelenk kann ein weitgehend normales Leben geführt werden. Risiko- und Kontaktsportarten wie z. B. Fussball sowie Aktivitäten, die mit zu hohen Belastungen des Kniegelenks verbunden sind wie z. B. Joggen, aber auch Stop-and-go-Sportarten wie Tennis usw. sollten gemieden werden. Leichte Sportarten wie Velofahren, Golfspielen, Wandern und Skifahren können hingegen auch mit einem künstlichen Kniegelenk in vernünftigem Mass betrieben werden.

Risiken und Komplikationen

Die Knieprothesenoperation ist keine Notfalloperation, sondern ein Wahleingriff. Sie kann in aller Ruhe vorbereitet werden. Allfällige Risiken und Komplikationen können somit auf einem Minimum gehalten werden. 

Trotz vorbeugender Massnahmen gibt es wie bei jeder anderen Operation auch bei der Knieprothesenoperation gewisse Risiken. Zu den möglichen Operationsrisiken zählen unter anderem Thrombose, Embolien, Infektionen, Wundheilungsstörungen, Bluterguss und Nachblutungen, Verletzungen von Nerven, Gefässen oder anderen anatomischen Strukturen, Verklebungen mit schlechter Beweglichkeit und Funktion des Kniegelenks sowie Restschmerzen, um nur einige zu nennen. Im Aufklärungsgespräch mit Ihrem Arzt werden Sie ausführlich darüber aufgeklärt. All diese Risiken treten in weniger als 1 Prozent der Fälle auf und müssen vor einer Knieprothesenoperation nicht abschrecken.

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