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Behandlung Wachstumsschmerzen

Wachstumsschmerzen betreffen nahezu einen Drittel der Kinder. Erfahren Sie nachfolgend, wie sich diese äussern, was bei der Diagnose zu beachten ist und was man dagegen tun kann.

Was sind Wachstumsschmerzen?

Viele Kinder (bis zu 30%), typischerweise im Alter zwischen drei und 12 Jahren, leiden unter wiederkehrenden Schmerzen, vor allem an den Beinen, ohne dass sich eine traumatische oder anderweitige Ursache eruieren lässt. Die Schmerzen haben ziehenden oder brennenden Charakter und treten vornehmlich abends beim Einschlafen oder in der ersten Nachthälfte auf. Typischerweise sind beide Beine betroffen, entweder wechselnd oder auch simultan. Solche Wachstumsschmerzen treten meist an wenigen Tagen pro Woche auf und sind insgesamt sehr wechselhaft. Oftmals tritt eine Schmerzverstärkung nach grösserer vorausgegangener Aktivität auf. Am häufigsten von den Wachstumsschmerzen betroffen sind die Vorderseiten der Unterschenkel und Oberschenkel, Waden, Kniekehlen und manchmal Fussrücken.

Schwellung, Rötung oder Überwärmung treten beim Wachstumsschmerz nie auf und es bedarf in einem solchen Fall der weiteren Abklärung. Weder eine Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens noch Schmerzen am Tag treten bei Wachstumsschmerzen auf. Auch in solchen Fällen sind weitere Abklärungen nötig.

Ursachen

Eine spezifische Ursache für Wachstumsschmerzen ist nicht bekannt. Es gibt jedoch etliche verschiedene Erklärungsansätze, welche allerdings kaum statistisch belegbar sind und auch nicht solitär die Schmerzen erklären können. Eine Theorie besagt, dass es durch das rasche Knochenwachstum in bestimmten Phasen zu einer vermehrten, schmerzhaften Spannung auf die Weichteile kommt.

Ausserdem ist nachts durch die reduzierte Reizflut die Aufmerksamkeits- und Schmerzschwelle niedriger, während gleichzeitig das Zellwachstum durch den tageszeitlichen Rhythmus der Wachstumshormonausschüttung gesteigert ist. Auch wurde bei Kindern mit Wachstumsschmerzen ein häufig verminderter Vitamin-D-Spiegel nachgewiesen.

Diagnose 

Die Diagnose «Wachstumsschmerzen» stellt eine Ausschlussdiagnose dar. Sie darf also erst gestellt werden, wenn alle anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen wurden. Dies ist besonders wichtig, da auch bestimmte entzündliche Erkrankungen, gutartige oder bösartige Tumorerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen sowie wachstumsbedingte oder traumatische Schädigungen des Bewegungsapparates ganz ähnliche Beschwerden verursachen können. Diese müssen durch entsprechende ärztliche Abklärung (Anamnese, klinische Untersuchung, ggf. auch Röntgen, MRI, Blutuntersuchungen) ausgeschlossen werden.

Therapieansätze

Ist die Diagnose «Wachstumsschmerz» gesichert, ist der erste Schritt zunächst die ausführliche Beratung und Information der Familie. Oft wird die Schmerzsymptomatik bereits als viel weniger bedrohlich oder störend empfunden, wenn ihre Gutartigkeit feststeht. Ausserdem darf man ganz sicher von der Selbstlimitierung des Problems ausgehen, auch wenn sich der Verlauf über Jahre hinziehen kann.

Oftmals lässt sich tatsächlich durch eine Vitamin D-Gabe bereits eine deutliche Verbesserung erreichen. Auch die abendliche Einnahme von Magnesium hat häufig einen guten Effekt. Ebenfalls können sich weitere Vitamine und Spurenelemente (Vitamin C, Calcium, Selen) positiv auswirken. Bei akuten Schmerzen helfen meist Massagen und lokale Salbenapplikation. In stärkeren Fällen darf auch ein schmerz- und entzündungshemmendes Medikament (NSAR) wie z.B. Algifor gegeben werden. Dies sollte jedoch nicht zur Regel werden.

Bekannte muskuläre Verkürzungen sollten langfristig durch adäquates Dehnen reduziert werden. Vergleichen Sie dazu auch unsere Stretchingübungen für Kinder und Jugendliche.

Zusammenfassung

Wachstumsschmerzen, d.h. beinbetonter nächtlicher, i.d.R. beidseitiger Beinschmerz, tritt bei bis zu 30% der 3-12-Jährigen auf und ist grundsätzlich harmlos und selbstlimitierend. Eine genaue Ursache ist nicht bekannt, die Therapieansätze sind vielfältig. Die Diagnose stellt jedoch eine Ausschlussdiagnose dar und erfordert eine sorgfältige ärztliche Abklärung, da andere, unter Umständen schwerwiegende Krankheitsbilder, zunächst ausgeschlossen werden müssen.