Behandlung Kahnbeinbruch (Skaphoidfraktur)

Das Kahnbein (Skaphoid) liegt auf der Daumenseite und ist der grösste unter den Handwurzel-Knochen der ersten Reihe. Mechanisch verbindet das Kahnbein die erste und zweite Handwurzelreihe. Dadurch ist es bei Gewalteinwirkung auf das Handgelenk mechanisch stark gefährdet. Durch einen Sturz auf das nach hinten ausgestreckte Handgelenk kann das Kahnbein brechen. Es ist eine Eigenart des Kahnbeinbruchs, dass er oft kaum zu erkennen ist und selbst auf den ersten Röntgenbildern häufig übersehen wird.

Wird der Bruch nicht behandelt, kommt es wegen der speziellen Durchblutungsverhältnisse beim Kahnbein mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einer so genannten Pseudarthrose (Falschgelenk bei ausbleibender Knochenheilung). Ein solches Falschgelenk kann über längere Zeit beschwerdearm oder sogar beschwerdefrei bleiben. Durch die veränderten mechanischen Verhältnisse im Handgelenk kommt es mit der Zeit aber zu einer Abnützungsarthrose zwischen Kahnbein und Speiche. Oft wird ein solches Falschgelenk erst im Anschluss an einen neuen Sturz auf Grund neuer Röntgenbilder entdeckt. Der Zeitraum zwischen dem Unfall, der den Kahnbeinbruch ursprünglich verursacht hat, und einer sekundären Handgelenkarthrose mit entsprechenden Beschwerden kann 10 bis 20 Jahre betragen.

Kahnbeinbruch

Symptome

ln den meisten Fällen machen sich die ersten Beschwerden durch einen dumpfen Schmerz bemerkbar, manchmal auch durch ein Brennen in der Tiefe des daumenseitigen Handgelenks. Anfänglich treten die Beschwerden nach grösseren Belastungen im Handgelenk auf, mit der Zeit können bereits geringere Belastungen zu Beschwerden führen. Die Schmerzen lassen sich dabei durch Druck in der Tabatière - der so genannten Schnupftabakgrube - am Handgelenk auslösen.

Schnupftabakgrube
1 "Schnupftabakgrube" am Handgelenk. Hier lässt sich das Kahnbein ertasten.

Diagnose

Eine Verdachtsdiagnose lässt sich bereits durch die Angabe eines Unfalles am Handgelenk stellen sowie auf Grund der anschliessenden typischen Schmerzen in der Tabatière (s.o.). Gesichert wird die Diagnose eines Kahnbein-Bruchs / Pseudarthrose aber erst durch ein Röntgenbild. Ist der Bruch / die Pseudarthrose im Röntgenbild nicht eindeutig zu erkennen, muss noch ein Computer-Tomogramm durchgeführt werden. Besteht auf Grund der Bruchform oder der Röntgenaufnahmen der Verdacht auf eine Durchblutungsproblematik der beiden Knochenanteile, wird zusätzlich eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRI) durchgeführt.

Röntgenbild Alter, nicht verheilter Kahnbeinbruch
2 Alter, nicht verheilter Kahnbeinbruch
Röntgenbild verheilter Kahnbeinbruch
3 Verheilter Kahnbeinbruch, der mit Knochenspan aus dem Becken und Spezialschrauben stabilisiert wurde.

Konservative Behandlung

Der grösste Teil der Kahnbeinbrüche ist nicht verschoben. Ein solcher frischer Bruch kann in den meisten Fällen mit einer konservative Therapie behandelt werden, indem er im Gips während 6 bis 12 Wochen ruhig gestellt wird. Wie lange diese konservative Therapie dauert, ist von der jeweiligen Bruchform abhängig. Nur in einem geringen Teil der Fälle, so bei speziellen Bruchformen mit schlechter Heilungstendenz, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden, bei der der Kahnbein-Bruch verschraubt wird.

Eine konservative Behandlung bei einer ausgebildeten Kahnbein-Pseudarthrose ist nicht mehr möglich. Auch wenn das Handgelenk lange ruhig gestellt wird, verheilen die beiden Knochenanteile nicht mehr. Da ohne die Operation keine Heilung eintreten wird, muss im weiteren Verlauf auf Grund der Falschbelastung davon ausgegangen werden, dass die Gelenke sich zunehmend abnützen (Arthrose). Die Folge: Die Schmerzen im Handgelenk nehmen zu, die Beweglichkeit nimmt ab.

Operative Behandlung

Ziel der operativen Behandlung ist es, das Kahnbein zu rekonstruieren. Dadurch erreicht man zweierlei: Die Beschwerden werden beseitigt, und der Abnützungsprozess des Handgelenk-Knorpels wird gestoppt. Da die beiden Kahnbein Fragmente sich «falsch» bewegen, führt das zu einem Knochenschwund. Bei der operativen Rekonstruktion muss daher dieser fehlende Knochen durch ein Knochentransplantat ersetzt werden. Um optimale Voraussetzungen für eine rasche Knochenheilung zu erhalten, nimmt man dazu einen Knochenspan aus dem Beckenkamm des Patienten. Zusätzlich ist eine innere Fixation des Kahnbeins notwendig, um die Stellung zu fixieren, bis die Knochen ausgeheilt sind. Zu diesem Zweck werden in der Regel Spezialschrauben (Abb. 3) oder Drähte verwendet.

Nachbehandlung

Nach der Operation benötigt das Handgelenk zusätzlich eine äussere Ruhigstellung. Die Dauer dieser Schienung ist abhängig von der Stabilität der Rekonstruktion und der Durchblutung der Knochenanteile. ln der Regel wird das Handgelenk für sechs bis acht Wochen gegipst; danach erfolgt eine Computertomografie, mit der sich die Heilung beurteilen lässt. Je nach Ergebnis der Tomografie muss das Handgelenk nochmals ruhiggestellt, oder kann mit der Bewegungstherapie begonnen werden. Bis die Knochen vollständig verheilt sind, kann es mehrere Monate dauern. Die volle Belastbarkeit von Hand und Handgelenk ist erst bei sicher geheiltem Kahnbein (Heilung im Röntgenbild) wieder möglich.

Erfolgschancen

Die Prognose für einen günstigen Heilungsverlauf ist abhängig von der Knochenqualität der beiden Kahnbein Fragmente und den Durchblutungsverhältnissen in diesen beiden Fragmenten. Da die Behandlung der Kahnbein-Pseudarthrose viel Zeit in Anspruch nimmt und Folgen für die Arbeitsfähigkeit des Patienten hat, ist es wichtig, die Prognose für einen günstigen Heilungsverlauf zu kennen. Die Durchblutungsverhältnisse der beiden Fragmente lassen sich vor der Operation durch eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRI) klären. Eine bereits etablierte Handgelenk-Arthrose lässt sich nicht mehr rückgängig machen, auch wenn die Kahnbein-Pseudarthrose ausgeheilt ist.

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