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Skoliose – Wirbelsäulenverkrümmung Fallbeispiele mit Operationsmethoden

Die Wirbelsäule als das zentrale und tragende Stützorgan des menschlichen Körpers verbindet alle anderen Teile des Skeletts miteinander und erlaubt Beweglichkeit. Gleichzeitig umhüllt und schützt sie das im Wirbelkanal liegende Rückenmark und die Nerven. Bei Kindern lenkt die Wirbelsäule das Wachstum und sorgt für die gesunde Entwicklung des Brustkorbs und der Lunge.

Wird das Wachstum durch eine Skoliose (seitliche Wirbelsäulenverkrümmung) gestört, sind die Folgen vielfältig. Es kann zu einer Fehlfunktion der Wirbelsäule oder zur abnormalen Entwicklung des Körpers mit Deformität des Oberkörpers kommen. Neben kosmetischen Problemen können Gefühlsstörungen, Schmerzen, Atembeschwerden oder sogar Lähmungen auftreten. Je nach Ausmass, Ausdehnung, Ursache und Alter sind die Beschwerden und die Behandlungen sehr unterschiedlich. 

Unsere Wirbelsäulenchirurgie behandelt Skoliose-Patientinnen und -Patienten in einer multidisziplinären Zusammenarbeit mit unserer Abteilung Kinder- und Jugendorthopädie. Mehr als 90% der Patienten behandeln wir konservativ, also ohne Operation. Falls dennoch eine Operation notwendig ist, können wir alle operativen Behandlungsmethoden anbieten. Ob wir einen Zugang von vorne (von der Seite) oder von hinten oder ob wir ein minimalinvasives oder offenes Verfahren wählen, passen wir den Bedürfnissen der Patienten individuell an. Auch für sehr komplexe Eingriffe für schwere Skoliosen oder Revisionseingriffe sind wir ideal aufgestellt. So erhalten die Patient immer die Operationstechnik, die für sie am besten geeignet ist. Trotz vorwiegend konservativer Skoliose-Behandlung sind die operativen Fallzahlen in der Schulthess Klinik seit Jahrzehnten sehr hoch (über 47 grosse Skoliose-Operationen alleine im Jahr 2020). Die hierfür spezialisierten Chirurgen verfügen deshalb über eine langjährige und umfassende Erfahrung. 

Hinterer Zugang bei Skoliose-Operation

Beim hinteren Zugang erfolgt der Hautschnitt bei der Skoliose-Operation mittig im Bereich des Rückens. Die Rückenmuskulatur wird von der Mittellinie abgelöst. Die Korrektur und Versteifung erfolgt über Pedikelschrauben, die mit einem Verbindungsstab auf beiden Seiten in die Wirbelkörper eingebracht werden . Diese dorsale Instrumentation ist weltweit das am häufigsten angewandte Verfahren in der Skoliose-Chirurgie. Dieser Zugang kommt am häufigsten bei erwachsenen Skoliosepatienten) zur Anwendung.

Hinterer Zugang bei abnutzungsbedingter Skoliose
Bild 1: Eine 61-jährige Patientin mit ausgeprägten Rückenschmerzen und zunehmender Krümmung bei abnutzungsbedingter Skoliose der Lendenwirbelsäule. Röntgenbilder der gesamten Wirbelsäule von hinten und von der Seite betrachtet (A und B) zeigen eine abnutzungsbedingte rechtskonvexe Skoliose der Lendenwirbelsäule mit einer Hauptkrümmung von 21° zwischen L2 und L5 und einer Gegenkrümmung von 30° zwischen Th9 und L2. Durch einen hinteren Zugang und Instrumentierung mit Pedikelschrauben (Th10 – Sakrum) konnte eine Korrektur und Versteifung durchgeführt werden (C und D).

Vorderer Zugang bei Skoliose-Operation

Beim vorderen Zugang wird bei Skoliosen im Brustbereich ein seitlicher Hautschnitt entlang der Rippen (Thorakotomie), bei Skoliosen im Lendenbereich ein Hautschnitt in der Flanke (Lumbotomie, Thorako-Lumbotomie) getätigt. Die Rückenmuskulatur bleibt unberührt. Im Bereich der Hauptkurve wird die Wirbelsäulenverkrümmung mithilfe von Schrauben in den Wirbelkörpern und einem Verbindungsstab korrigiert und stabilisiert.

Vorderer Zugang bei idiopathischer Skoliose
Bild 2: Eine 13-jährige Patientin mit zunehmender Krümmung bei idiopathischer Skoliose. Röntgenbilder der gesamten Wirbelsäule von hinten und von der Seite betrachtet (A und B) zeigen eine idiopathische rechtskonvexe Skoliose der Brustwirbelsäule (Lenke Typ I) mit einer Hauptkrümmung von 43° zwischen Th6 und Th11. Durch die Eröffnung des Brustkorbes (Thorakotomie) von rechts, sowie ventraler Derotationsspondylodese konnte eine Korrektur und Versteifung der Hauptkurve (Th5-11) durchgeführt werden (C und D).

Minimal-invasive Skoliose-Chirurgie durch einen Zugang von hinten

Die minimal-invasive Skoliose-Chirurgie kann in adoleszenten idiopathischen Skoliose-Fällen angewandt werden. Diese transmuskuläre Technik (zwischen den Rückenmuskelfasern angefertigter Zugang) wurde in der Schulthess Klinik in den letzten Jahren sukzessive eingeführt, als eine der ersten Kliniken in Europa. Der Vorteil dieser Technik liegt darin, dass die Rückenmuskulatur geschont wird und nicht mehr von der Mittellinie abgelöst werden muss. Des Weiteren ist der Hautschnitt insgesamt deutlich kürzer und die Erholung von der Operation deutlich schneller. Die Korrektur erfolgt über Pedikelschrauben in den Wirbelkörpern, die durch eine Trennschicht der Muskulatur eingebracht werden. Dadurch können Korrektur und Versteifung der Wirbelsäule ohne Kompromisse durchgeführt werden.

Minimal-invasive Skoliosechirurgie bei idiopathischer Skoliose
Bild 3: Eine 18-jährige Patientin mit idiopathischer Skoliose. Röntgenbilder der gesamten Wirbelsäule von hinten und von der Seite betrachtet (A und B) zeigen eine idiopathische rechtskonvexe Skoliose der Brustwirbelsäule (Lenke Typ IA-) mit einer Hauptkrümmung von 54° zwischen Th6 und Th11. Mit Hilfe der Drei-Hautinzisions-Technik und Instrumentierung (Th4,5-Th7,8,9-Th11,12) konnte eine Korrektur und Versteifung von Th4 bis Th12 ohne Kompromisse durchgeführt werden (C und D).

Bewegungserhaltende, minimal-invasive Skoliose-Chirurgie von vorne

Eine spezielle OP-Technik bei Skoliose ist das bewegungserhaltende,sogenannte Anterior-Vertebral-Body Tethering-Verfahren. Diese Methode wurde im März 2020 in der Schulthess Klinik zum ersten Mal in der Schweiz durchgeführt und seitdem regelmässig angewandt.

Dabei handelt es sich um eine flexible Korrektur der Verkrümmung, die über das weitere Wachstum gelenkt wird. Im Gegensatz zur bisherigen Standardoperation werden die betroffenen Wirbel dabei nicht versteift. Die Methode funktioniert wie ein inneres Korsett: Der Chirurg setzt auf der Seite der Wirbelkörper Schrauben ein. Diese werden mit einem geflochtenen Kunststoffseil verbunden und gespannt. Dies hat bereits unmittelbar nach dem Eingriff eine deutliche Korrektur zur Folge. Im Anschluss bremst diese Spannung auf der angebrachten Seite der Wirbelsäule das Wachstum, sodass nur die unbehandelte Seite weiter wachsen kann. So begradigt sich die Wirbelsäule während des weiteren Wachstums selbst. Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv, in der Regel thorakoskopisch.

Diese Operationsmethode ist zwar nur für wenige Patienten (Kinder vor der Pubertät) geeignet, die noch im Wachstum sind, hat für diese aber grosse Vorteile: Die Wirbelsäule bleibt weitgehend beweglich. Die Bandscheiben werden geschont und der Blutverlust ist gering. Im Idealfall ist nur eine Operation notwendig. Im Falle einer Über- oder Unterkorrektur oder Seilriss (Bewegung bedeutet auch Verschleiss des Materials) wird in der Regel eine erneute Intervention nötig. Die Schwierigkeit liegt darin, das Wachstumspotenzial über mehrere Jahre (Ausmass der zukünftigen Wachstum) möglichst genau abzuschätzen, denn nur dann ist eine optimale Korrektur zu erreichen.

Röntgenbilder, vor und nach bewegungserhaltender Skoliose-Operation
Bild 4: Röntgenbild vor und kurz nach einer bewegungserhaltenden Skoliose-Operation (Anterior Vertebral Body Tethering). Die Schrauben sind mit einem geflochtenen Kunststoffseil verbunden und gespannt.

Individuelle Operationslösungen

Oben aufgelistet sind die am häufigsten durchgeführten Skoliose-Operationen. Der Operationsplan wird in jedem Fall individuell angepasst. Die oben erwähnten Methoden lassen sich in bestimmten Fällen kombinieren. Bei noch sehr jungen Patienten (in der Regel unter 10 Jahren) bieten wir auch die konventionell wachstumslenkende Instrumentation an. Die eingebrachten Implantate können über die Jahre bis zum Wachstumsabschluss mit der Wirbelsäule «mitwachsen». Auch bei dieser Methode haben wir eine langjährige Erfahrung.

Bei Fragen stehen unsere Spezialisten für eine Konsultation sehr gerne zur Verfügung.

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