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Behandlung Polymyalgia rheumatica (Polymyalgie) und Arteriitis temporalis

Hinter dem kompliziert anmutenden Namen «Polymyalgia rheumatica » oder rheumatische Polymyalgie verbirgt sich direkt die Beschreibung der Erkrankung. So bezeichnet man mit «Myalgien» ganz einfach Muskelschmerzen und «poly» beschreibt, dass es viele sind. Frei übersetzt bedeutet Polymyalgia also «viele schmerzende Muskeln», wobei «rheumatica» die rheumatologische bzw. autoimmune Ursache der Erkrankung bezeichnet. 

Symptome

Muskelkaterartige Schmerzen sind die Hauptbeschwerden der betroffenen Patienten. Die Schmerzen treten oft sehr rasch auf («Beginn über Nacht ») und betreffen v.a. den Nacken, den Schulter- und den Beckengürtel sowie die Oberarme und Oberschenkel. Die Schmerzen sind typischerweise am frühen Morgen am stärksten und bessern mit Bewegung über den Tag. Ausserdem ist oft eine sogenannte Morgensteifigkeit vorhanden, welche ebenfalls über den Tag auch ohne Behandlung abnimmt. Nicht selten werden diese Schmerzen begleitet von Müdigkeit und Abgeschlagenheit, wobei es auch zu einem Krankheitsgefühl oder sogar einem unerklärlichen Gewichtsverlust kommen kann. Oft gesellen sich Gelenkentzündungen (Schwellungen und Schmerzen) einzelner Finger- oder Kniegelenke hinzu. 

Diagnose

Die Erkrankung tritt exquisit in der zweiten Lebenshälfte auf (nie vor dem 50. Lebensjahr) und betrifft Frauen etwas häufiger als Männer. Die Abklärung besteht in der Regel aus einem Gespräch zur Erfassung der Vorgeschichte und aus der klinischen Untersuchung. Im Blut können fast immer erhöhte Entzündungswerte gesehen werden. Im Gegensatz zu anderen rheumatologischen Erkrankungen fehlen für die Krankheit typische Antikörper. Zur Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen, welche zu Beginn einer Polymyalgia rheumatica zum Verwechseln ähnlich sein können, ist eine Blutanalyse aber fast immer angezeigt.

Manchmal werden auch zusätzliche Untersuchungen (Röntgen, Ultraschall etc.) durchgeführt. Auch diese dienen primär dem Ausschluss anderer Erkrankungen, da es für die Polymyalgia rheumatica auch hier keine eindeutigen Befunde gibt. Oft beobachtet man im Bereich der Schultern und der Hüften Schleimbeutelentzündungen (sogenannte Bursitiden), welche als charakteristisch gelten, aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten können.

Behandlung

Die Prognose dieser Erkrankung ist grundsätzlich gut. Die Behandlung besteht in aller Regel aus Glukokortikoiden («Steroide»; «Kortisonmedikamente»), wobei man heute möglichst tiefe Dosierungen anstrebt. Die Therapie führt oft sehr schnell zu einer durchschlagenden Verbesserung. Leider ist die Behandlung aber langwierig (meist sind 1-2 Jahre oder mehr nötig), so dass sie den Patienten länger begleitet.

Reichen Glukokortikoide allein nicht aus oder sprechen andere Gründe dagegen (Nebenwirkungen oder andere Erkrankungen, welche Glukokortikoide nicht ideal machen), können weitere Medikamente zur Glukokortikoideinsparung ergänzt werden. Trotz der Häufigkeit der Erkrankung existiert neben den Glukokortikoiden aber bis heute kein Medikament, das speziell für die Polymyalgie zugelassen ist.

Arteriitis temporalis (Riesenzellarteriitis)

Bei einem Teil der Patienten mit einer Polymyalgia rheumatica finden sich zusätzlich Hinweise auf eine Entzündung grosser Arterien. Am häufigsten ist die Arterie der Schläfe (sogenannte Arteria temporalis) betroffen, weshalb diese Erkrankung als Arteriitis temporalis bezeichnet wird. Manchmal sind aber auch «nur» die grossen Arterien im Brustkorb oder Bauchraum betroffen, weshalb man auch von einer Grossgefässvaskulitis spricht («Vaskulitis» ist der Fachbegriff für eine Gefässentzündung). Da man unter dem Mikroskop in Proben von betroffenen Arterien sogenannte Riesenzellen findet, existiert auch der Begriff der Riesenzellarteriitis. 

Es ist bis heute unklar, ob die Polymyalgia rheumatica und die Arteriitis temporalis/ Riesenzellarteriitis die zwei Enden im Spektrum derselben Erkrankung darstellen oder ob zwei verschiedene Erkrankungen sich hier einfach sehr ähnlich sind. Was aber klar ist, dass eine Arteriitis temporalis erkannt werden muss. Dies ändert nicht nur den Namen der Erkrankung, sondern auch die Therapie und nötigen Abklärungen. So ist die Entzündung der Arterien mit einem Risiko für Komplikationen verbunden. Insbesondere das Auge kann dabei betroffen sein, was nicht verpasst werden darf, da eine plötzliche Erblindung möglich ist.

Moderne Untersuchungsmethoden (zum Beispiel MRI, 18-FDG-PET-CT) können heutzutage die Gefässentzündungen besser darstellen. Dies führt dazu, dass mehr dieser Erkrankungen erfasst und entsprechend therapiert werden können. Wie bei der Polymyalgia rheumatica besteht die Therapie auch hier aus Glukokortikoiden. Seit kurzer Zeit ist zudem ein weiteres Medikament, das sogenannte Tocilizumab, für die Behandlung dieser Erkrankung zugelassen und zeigt bisher gute Erfolge. In der Zukunft ist mit weiteren Therapieansätzen zu rechnen.  

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