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Behandlung Gicht

Die Gicht (auch Arthritis urica genannt) ist eine schmerzhafte und potenziell invalidisierende Gelenkerkrankung, welche man seit dem Altertum kennt. Sie wird auch «Krankheit der Könige» genannt, weil sie mit der Gewohnheit in Verbindung gebracht wurde, übermässig zu essen und Alkohol zu konsumieren, was sich früher nur die Reichen und Mächtigen leisten konnten. Die Gicht kann aber jedermann betreffen. Sie ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung (Arthritis).

Symptome

Die Gicht beginnt typischerweise mit kurzdauernden Schüben heftiger Schmerzen und Schwellungen einzelner Gelenke, am häufigsten am Fuss und hier insbesondere an der Grosszehe. Die betroffene Stelle ist oft gerötet, überwärmt und extrem berührungsempfindlich. Etwa die Hälfte aller ersten Schübe treten an der Grosszehe auf, es kann aber jegliches Gelenk am Körper betroffen sein.

In schweren Fällen einer Gicht fallen Harnsäurekristalle in der Unterhaut aus, was als hindurchschimmernde gelblich-weissliche Knötchen erkennbar wird, zum Beispiel an den Ohr-Muscheln, Ellbogen, Händen und Füssen. Gichtknötchen sind immer Ausdruck einer fortgeschrittenen Erkrankung.

Ursachen

Die Gicht entsteht, wenn sich die Harnsäure (normales Abbauprodukt des Stoffwechsels) übermässig im Körper ansammelt und sie sich als nadelförmige Kristalle in den Gelenken und anderen Geweben ablagert. Dies kommt entweder zustande durch eine Erhöhung der Harnsäureproduktion oder häufiger durch eine ungenügende Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren. Gewisse Nahrungsmittel und Medikamente erhöhen den Harnsäurespiegel im Blut. Zu den Nahrungsmitteln gehören Fleisch, Meeresfrüchte und insbesondere Innereien. Übergewicht begünstigt die Entstehung einer Gicht stark. Regelmässiges Trinken von Bier ist ebenfalls eine der Hauptursachen. Die am häufigsten eine Gicht verursachenden Medikamente sind Blutdrucksenker, und zwar die sogenannten Diuretika (Entwässerungsmedikamente).

Ist der Harnsäurespiegel im Blut über längere Zeit erhöht, fallen Harnsäurekristalle in und um die Gelenke aus. Diese Kristalle können Entzündungszellen anziehen und aktivieren, was zu den heftigen schmerzhaften Gichtschüben und im Verlauf zu anhaltenden Gelenkentzündungen führt. Harnsäure fällt auch in den Harnwegen aus, was Nierensteine verursacht. Bei einem Ausfallen in der Haut entstehen die Gichtknötchen.

Die Gicht betrifft häufiger Männer; Frauen sind zumeist erst nach der Menopause betroffen, weil die weiblichen Geschlechtshormone einen schützenden Effekt haben. Nierenerkrankungen führen sehr häufig zu Gicht. Wichtige Risikofaktoren für Gicht sind Übergewicht, hoher Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes (Zuckerkrankheit). Aufgrund von genetischen Faktoren tritt die Gicht familiär gehäuft auf.

Diagnose

Weil andere Gelenkerkrankungen eine Gicht vortäuschen können, ist eine korrekte Diagnose wichtig. Am zuverlässigsten lässt sich die Diagnose stellen durch den mikroskopischen Nachweis von Harnsäurekristallen in der Gelenkflüssigkeit. Am besten entnimmt man diese gleich beim Schub, was auch eine nachfolgende Injektion eines entzündungshemmenden Kortison-Präparats erlaubt. Harnsäurekristalle lassen sich zudem in den Gichtknötchen der Haut nachweisen, falls solche bestehen. 

Zudem wird für die Gichtdiagnose der Verlauf der Gelenkentzündungsschübe (Beginn typischerweise nachts) und das Gelenkbefallsmuster herangezogen. Im Blut ist die Harnsäure zwischen den Schüben stets erhöht; normale Harnsäurespiegel schliessen also eine Gicht aus. Die Diagnose erhärtet sich durch die Befunde der Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen der Gelenke. Spezialuntersuchungen wie Dual-Energie-CT sind meistens nicht erforderlich.

Behandlung

Einerseits wird die Entzündung bei den Gichtschüben behandelt. Andererseits sollen weitere Schübe durch eine Senkung der Harnsäure im Blut vermieden werden. 

Therapie der Gichtschübe

Die schmerzhafte akute Entzündung des Gelenks lässt sich am besten behandeln, indem man ein Kortisonpräparat hineinspritzt. Dies hat die schnellste Wirkung. Alternativen sind Kortison-Medikamente zum Schlucken oder sogenannte nichtsteroidale Entzündungshemmer (zum Beispiel Naproxen, Ibuprofen und Diclofenac).

Therapie zur Entfernung der überschüssigen Harnsäure

Betroffene mit wiederholten Gichtschüben, Harnsäuresteinen oder Gichtknötchen in der Haut bedürfen Medikamente, um den Harnsäurespiegel im Blut zu reduzieren. Diese Medikamente führen zu Beginn der Therapie oft zu einer vorübergehenden Häufung der Gichtattacken; nach Ablauf von einem halben bis etwa einem Jahr treten dann aber keine Attacken mehr auf. Am häufigsten wird das Medikament Allopurinol zur Harnsäuresenkung eingesetzt; es hemmt die Harnsäureproduktion im Körper. Eine Alternative dazu ist die neuere Substanz Febuxostat, welche ebenfalls die Harnsäureproduktion hemmt. Zudem gibt es Medikamente, welche die Harnsäureausscheidung über die Niere fördern. Der Blutdrucksenker Losartan begünstigt ebenfalls die Harnsäureausscheidung über die Niere; dieses Medikament ist für milde Formen von Gicht geeignet, wenn gleichzeitig ein erhöhter Blutdruck behandelt werden muss.

Weil es zu Beginn einer harnsäuresenkenden Behandlung vorübergehend zu einer Häufung von Gichtschüben kommen kann, ist die prophylaktische Anwendung von Entzündungshemmern möglich, zum Beispiel Colchicin, niedrig dosierte Kortisonmedikamente oder nichtsteroidale Antirheumatika.

Bei milden Formen einer Gicht ist eine alleinige diätetische Behandlung möglich, insbesondere sind eine Gewichtsreduktion und das Vermeiden von Bier zu empfehlen. Auch die vermehrte Einnahme von Milchprodukten hilft, die Harnsäure im Blut zu vermindern.

Von Gicht Betroffene haben oft hohen Blutdruck, Herz- und Nierenerkrankungen oder sie verwenden Medikamente, welche den Serumharnsäurespiegel erhöhen. Bei der Behandlung einer Gicht gilt es, auch diesen Begleitproblemen Rechnung zu tragen.

Gicht kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Eine konsequente Einnahme der Medikamente ist unabdingbar, um ein Verschwinden der Gichtschübe zu erreichen.