Behandlung Kreuzbandriss – Kreuzbandruptur

Die Verletzung des vorderen Kreuzbandes (VKB) gehört zu den häufigsten, leider auch zu den schwersten Verletzungen des Kniegelenks. Pro Jahr ereignet sich ca. ein Kreuzbandriss pro 1000 Personen. Diese Zahl ist wegen der zunehmenden sportlichen Aktivität in allen Altersgruppen steigend.

Das vordere Kreuzband bildet zusammen mit dem hinteren Kreuzband den sogenannten Zentralpfeiler des Kniegelenks (Abb. 1). Beide Bänder sind für die komplexe Funktion des Kniegelenks und auch dessen Stabilität hauptverantwortlich. Die zwei Bänder kreuzen sich im Zentrum des Kniegelenks und verbinden den Oberschenkel mit dem Unterschenkel. Eine hohe Belastung des Kniegelenks (Fussball, Squashen, Skifahren etc.) ist meistens nur bei einwandfreier Funktion beider Bänder möglich.

Frontalansicht eines Kniegelenks
1 Frontalansicht eines Kniegelenks

Ursache

Der häufigste Verletzungsmechanismus ist die Kombination aus Verdreh- und Einknicktrauma, selten auch Überstrecktrauma des Kniegelenks. Häufig kommt es dabei zu Begleitverletzungen z. B. des Innenbandes respektive des Innenmeniskus (sogenannte «unhappy triad»). Im Erwachsenenalter kommt es meist zu Rupturen im Bandverlauf, im Kindesalter oft zu einem knöchernen Ausriss im Bereich des Schienbeinkopfs.

Diagnose

Während des Unfalls spürt der Patient meist ein Reissen oder hört einen Knall im Kniegelenk, gefolgt von einer rasch auftretenden Schwellung (Einblutung) mit deutlichen Schmerzen und einer Bewegungs- und Belastungseinschränkung. Nach Abklingen der akuten Schmerzsymptomatik beklagt sich der Patient über ein unangenehmes Instabilitätsgefühl mit gelegentlich auftretenden Aushängesymptomen («Pivot-shift»).

Die ärztliche Untersuchung beinhaltet die Erfragung der aktuellen Beschwerden und des Unfallmechanismus. Danach folgt eine gründliche klinische Untersuchung des Kniegelenks, wobei der Vergleich mit der gesunden Gegenseite wichtig ist. Unerlässlich ist die Röntgenabklärung des Kniegelenks, damit eine Begleitverletzung des Knochens ausgeschlossen werden kann. Ein MRI wird meist zur Sicherung der Diagnose und zum Ausschluss von wichtigen Begleitverletzungen (Seitenbänder, Knorpel, Menisken) durchgeführt (Abb. 2). Bei ausgeprägter Kniegelenkschwellung (Hämarthros) ist gelegentlich eine Entlastungspunktion des Kniegelenks notwendig, was für den Patienten schmerzlindernd ist.

Kreuzbandriss MRI
2 Gerissenes vorderes Kreuzband im MRI

Konservative Behandlung

Die Entscheidung, ob ein Kreuzband operiert wird oder nicht, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig und muss mit dem Patienten im Detail besprochen werden. Begleitverletzungen wie ein eingeklemmter Meniskus oder zusätzliche Bandverletzungen zwingen gelegentlich zum raschen operativen Vorgehen. Bei sportlich sehr aktiven Patienten (insbesondere Kontaktsportarten) ist eine Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes meist unumgänglich.

Weniger aktive Personen können bei gutem Verlauf auch ohne Operation, jedoch mit intensivem Physiotherapieprogramm, wieder eine sehr gute Kniegelenkfunktion und sportliche Betätigung auch ohne intaktes vorderes Kreuzband erreichen. Zusätzliche Entscheidungskriterien für oder gegen eine Operation können sein: Alter des Patienten, berufliche Anforderungen, Vorschädigung des Kniegelenks (Arthrose) oder muskuläre Kompensationsmöglichkeiten.

Operative Behandlung

Aus Langzeitbeobachtungen weiss man, dass ein instabiles Gelenk zum Verschleiss von Knorpel und Meniskus führt und sich frühzeitig eine Arthrose des Kniegelenks entwickeln kann. Die Hauptindikation ist jedoch eine störende Instabilität des Kniegelenks mit entsprechend eingeschränkter Belastung. Eine frühzeitige Arthrose lässt sich jedoch auch nach Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes nicht immer verhindern.

In den meisten Fällen wird der Eingriff nach abgeschlossener Physiotherapie, das heisst ca. zwei bis vier Monate nach Unfallereignis bei persistierender und auch limitierender Kniefunktion durchgeführt. Wichtig ist dabei eine weitgehend normale Kniegelenkbeweglichkeit vor dem operativen Eingriff. Bei sehr aktiven Sportlern oder einer operationswürdigen Begleitverletzung wird der Eingriff innert Tagen durchgeführt.

Der Hauptteil der Kreuzbandoperation wird arthroskopisch, das heisst mittels Kniegelenkspiegelung durchgeführt. Sowohl das Setzen der Bohrkanäle im Oberschenkel (Abb. 3) respektive im Unterschenkelknochen wie auch das Einbringen des Transplantats (Abb. 4) und dessen Fixation erfolgen arthroskopisch. Ein Eröffnen des Kniegelenks wie in früheren Jahren ist nicht mehr nötig. Lediglich die Transplantatentnahme wird über einen kleinen Hautschnitt durchgeführt. 

Kreuzbandriss Operation
3 Frontalansicht eines Kniegelenks mit Verlauf des Bohrkanals durch Unterschenkel- und Oberschenkelknochen als Vorbereitung für den Transplantatdurchzug
Kreuzbandriss Operation
4 Frontalansicht eines Kniegelenks mit eingezogenem Transplantat der Kniescheibensehne mit Verankerung im Unterschenkel- und Oberschenkelknochen

In den meisten Fällen wird das mittlere Drittel der Patellarsehne (Kniescheibenband) mit je einem kleinen Knochenblock aus der Kniescheibe und dem Unterschenkelknochen entnommen (Abb. 5a). Als Alternative können auch die Semitendinosus- und die Gracilissehne, zwei Beugesehnen an der Innenseite des Kniegelenks, über einen kleinen Schnitt als Transplantat entnommen werden (Abb. 5b). In seltenen Fällen wird für die Rekonstruktion des Kreuzbandes die Quadrizepssehne oder eine Spendersehne (Allograft) gebraucht. Für die Fixation werden meist auflösbare (resorbierbare) Schrauben oder Stifte verwendet. Mögliche Begleitverletzungen im Kniegelenk werden im Rahmen dieses Eingriffs selbstverständlich mitversorgt.

Operation Kreuzbandriss
5 Schrägansicht eines Kniegelenks mit zwei Möglichkeiten der Transplantatentnahme. a) Mittleres Drittel der Patellarsehne mit Knochenblock aus Kniescheibe und Unterschenkelknochen. b) Beugesehnen an der Innenseite des Kniegelenks (Semitendinosus- oder Gracilissehne)
Arthroskopie und MRI einer Kreuzbandrekonstruktion
6 Nach erfolgter Kreuzbandrekonstruktion: links intraoperativ (arthroskopisch) und rechts postoperativ im MRI

Nachbehandlung und Rehabilitation

Während der ersten zwei Wochen sollte konsequent eine entzündungshemmende Therapie durchgeführt werden (Medikamente und lokale Kühlung). Zudem sollte der Aktivitätsgrad möglichst tief gehalten werden.

Die Rehabilitation erfolgt frühfunktionell, das heisst ohne Schiene und mit intensiver ambulanter Physiotherapie. Bis zur aktiven muskulären Stabilisierung des Kniegelenks muss an Stöcken gegangen werden (ca. drei bis vier Wochen); in dieser Phase ist das Autofahren aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht erlaubt. Während dieser Zeit muss eine Thromboseprophylaxe durchgeführt werden. Kontrollierte Sportarten wie Fahrradfahren oder Krafttraining sind nach ca. drei Monaten möglich. Kontaktsportarten wie Fussball oder Handball sind in der Regel nach acht bis neun Monaten wieder erlaubt. Abschluss der Therapie ist nach neun bis zwölf Monaten.

Die Arbeitsunfähigkeit in einem sitzenden Beruf beträgt ca. vier Wochen, in einer stehenden oder körperlich belastenden Tätigkeit ca. drei Monate.

Erfolgschancen

Die VKB-Plastik ist eine sehr häufig durchgeführte Operation und weist eine Erfolgsrate von über 90 Prozent auf. Mit einer Rückkehr zu der vor dem Unfall ausgeübten Sportart ist mit über 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit zu rechnen.

Risiken und Komplikationen

Alle chirurgischen Interventionen beinhalten leider auch gewisse Risiken für den Patienten. Insbesondere eine postoperative Nachblutung oder auch das Auftreten eines Infekts können unter Umständen einen erneuten operativen Eingriff erfordern. Auch kann nach der vorderen Kreuzbandersatzplastik eine störende Bewegungseinschränkung des Kniegelenks oder eine zunehmende Instabilität infolge einer Überdehnung des Transplantats auftreten.

Häufig zeigt sich nach der Kreuzbandoperation eine verminderte Sensibilität der Haut auf der Aussenseite der Narbe. Diese kann vorübergehend, in seltenen Fällen aber auch dauerhaft sein.

Unsere Spezialisten für Kreuzbandriss

 
Dr. med. Stefan Preiss
Chefarzt Kniechirurgie

Dr. med. Stefan Preiss

 
 
Dr. med. Laurent Harder Spezialist Kniechirurgie
Leitender Arzt Kniechirurgie

Dr. med. Laurent Harder

 

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