Os tibiale externum

Ein 27-jähriger, sonst gesunder Patient wurde wegen Schmerzen im Bereich des linken Mittelfusses zugewiesen. Die Schmerzen traten vorwiegend bei sportlichen Aktivitäten, wie auch im Beruf bei der Polizei mit gehendem und stehendem Tätigkeitsumfeld auf. Initial, im Januar 2010, war den Schmerzen ein Umknickunfall vorausgegangen.

Nachfolgende Schonung und symptomatische Behandlung brachten keinen wesentlichen Erfolg. Physiotherapeutische Massnahmen sowie eine Anpassung des Schuhwerkes führten ebenfalls keine merkbare Verbesserung der Beschwerden herbei.

Der intensiv betriebene Sprung- und Laufsport konnte, da die Schmerzen zunehmend in den Vordergrund traten, nicht weiter ausgeübt werden.

Die Beschwerden kamen hauptsächlich belastungsabhängig, waren in Ruhe kaum vorhanden. Nächtliche Beschwerden bestanden nicht, der Schlaf war ungestört.

Im Untersuchungsbefund zeigte sich keine lokale Schwellung. Die Schmerzen wurden spontan klar im Bereich des innenseitigen Mittelfusses links lokalisiert, an dieser Stelle fand sich ein deutlicher Druckschmerz. Es zeigte sich ein leichter Senk-Spreizfuss bei sonst korrekten Achsenverhältnissen. Ein initial veranlasstes Röntgenbild zeigte an der Stelle, welche schmerzte einen Zusatzknochen neben dem Kahnbein, entsprechend dem sogenannten Os tibiale externum (Fachbezeichnung). Nachfolgend wurde eine MRI-Untersuchung durchgeführt, welche eine leicht vermehrte Flüssigkeitsansammlung innerhalb dieses Sesambeines anzeigte. Vermehrte Flüssigkeitsansammlungen, entsprechen einem Ödem innerhalb eines Knochens und ist Ausdruck einer Entzündungsreaktion.

Zu Therapiebeginn wurde eine lokale Infiltration mittels Lokalanästhetikum gemischt mit einem Kortisonpräparat durchgeführt. Da sich damit keine Schmerzlinderung erzielen liess, entschieden wir uns zusammen mit dem Patienten zu einem operativen Vorgehen.

In lokaler Betäubung allein des Fusses wurde das Sesambein (Os tibiale externum) entfernt. Dies gelang soweit problemlos. Die weitere Behandlung erfolgte mittels Ruhigstellung des Fusses in einer Unterschenkelschiene für 6 Wochen; während dieser Zeit war eine Teilbelastung unter Zuhilfenahme von Gehstöcken zur Erholung notwendig. Danach erfolgte der Wechsel auf einen stabilen Schuh für weitere kurze Zeit; während dieser Zeit wurde plangemäss die Vollbelastung erreicht. Es wurde Physiotherapie zum Kraftaufbau sowie zum Stabilisationstraining verordnet. Insgesamt gab es eine kurze und problemlose Heilungsphase, so dass der Patient in seinem angestammten Berufsumfeld 8 Wochen nach der  Operation wieder arbeiten konnte.

Hintergrund

Das Os tibiale externum ist eine Verknöcherungsanomalie im Bereich der Fusswurzel, ca. 14% der Bevölkerung sind betroffen. In den meisten Fällen findet man es im Röntgenbild als Zufallsbefund, ohne dass Beschwerden geäussert werden. Dieses akzessorische Sesambein liegt dabei im Bereich des Sehnenansatzes des Musculus tibialis posterior am Kahnbein.

In der Regel verursacht dieses Sesambein keine Schmerzen. Kommt es allerdings zu einem Unfall oder auch zur Zunahme eines Knick-Senkfuss mit Absenkung des Längsgewölbes, kann daraus eine Irritation dieses Sesambeines resultieren. Therapeutisch kommen hier Physiotherapie mit lokaler Behandlung, ausserdem die Anpassung des Schuhwerks sowie von  Masseinlagen zum Einsatz. Die lokale Infiltration mit einem Lokalanästhetikum und Kortikosteroid kann die Symptome lindern. Sind diese Massnahmen mittelfristig nicht erfolgreich, kann ein operatives Vorgehen, d.h. die Entfernung des Sesambeines diskutiert werden.

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