Die juvenile Hallux valgus-Deformität Barfuss Gehen kaum noch möglich

Die sportlich aktive 25-jährige Patientin litt an belastungsabhängigen Schmerzen unter dem linken Grosszehenballen. Sie berichtete uns, dass die Schmerzen schleichend kamen – zunächst tat der Fuss nur bei sportlichen Betätigungen wie z. B. beim Jogging weh, später dann auch bei normalen Alltagsbelastungen.

Schuhe mit guter Sohlendämpfung erwiesen sich als vorteilhaft, barfuss waren die Schmerzen deutlich stärker. Zusätzlich stellte sie eine leichte Zunahme ihres schon länger bestehenden Hallux valgus' fest. In Ruhe, d. h. im Sitzen oder nachts war sie beschwerdefrei. Auf schmerz- und entzündungshemmende Medikamente sprach der Schmerz nur unvollständig und auch nur kurzzeitig an.

Bei der Untersuchung zeigte sich ein Spreizfuss mit Hallux valgus-Deformität sowie ein leichter Knicksenkfuss. Der beschriebene Schmerz wurde beim Barfussgehen reproduzierbar ausgelöst und verstärkte sich im Zehenstand und -gang. Das Grosszehengrundgelenk war ohne Bewegungseinschränkungen schmerzfrei beweglich. Beim Abtasten der Fusssohle konnte der typische Schmerz punktuell und zentral unter dem 1. Mittelfussköpfchen lokalisiert werden.

Der Schmerzpunkt entsprach einem der beiden Sesambeine, die normalerweise symmetrisch unter dem 1. Mittelfussköpfchen in zwei «Kuhlen» platziert sind. Sie liegen eingebettet in den beiden kurzen Beugesehnen, die am Grundglied der Grosszehe ansetzen und wirken als Kraftverstärker beim Abstossen der Grosszehe vom Boden.

Die Röntgenaufnahmen bestätigten die Hallux-valgus-Deformität mit Abweichung des 1. Mittelfussknochens zur Körpermitte hin, wodurch das vermeintliche «Überbein» entsteht.

Die beiden Sesambeinchen verbleiben aufgrund ihrer Einbettung in den kurzen Beugesehnen und Bandverbindungen mit dem  2. Mittelfussknochen in ihrer ursprünglichen Lage, womit sich ihre Position in Relation zum 1. Mittelfussköpfchen ändert:

Röntgenbild juvenile Hallux valgus-Deformität
Belastet durchgeführte Röntgenaufnahme des linken Fusses:
Der 1. Mittelfussknochen weicht zur Körpermitte hin ab, womit das 1. Mittelfussköpfchen seine Position in Relation zu den beiden Sesambeinchen ändert. Das innere Sesambein liegt jetzt zentral und damit schmerz-verursachend unter dem 1. Mittelfussköpfchen

Durch die veränderte Lage des 1. Mittelfussköpfchen nun zentral über dem inneren Sesambein gerät dieses in Kontakt mit dessen mittig eher spitz zulaufenden Unterseite, der sog. Crista trochlea. Resultat sind die von der Patientin beschriebenen Schmerzen unter dem Grosszehenballen.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die sog. Crista trochlea noch gut ausgebildet, weswegen beim juvenilen Hallux valgus  der Schmerz unter dem Grosszehenballen auftreten kann. Mit zunehmenden Alter flacht die Erhebung ab, weswegen beim Hallux valgus des älteren Patienten derartige Schmerzen selten beschrieben werden.

Röntgenbild Crista trochlea und inneres Sesambein
Normaler Röntgenbefund einer axialen Vorfussaufnahme:
Korrekte Lage der Sesambeine unter dem 1. Mittelfussköpfchen in den Einbuchtungen, die durch eine Erhöhung voneinander getrennt werden. Diese Erhöhung wird als «Crista trochlea» bezeichnet. Auf die Durchführung dieser Spezialaufnahme wurde bei unserer Patientin verzichtet, da die normale Röntgenaufnahme genügend Informationen gab
Schema schmerzhafter Konflikt zwischen innerem Sesambein und Crista trochlea
Schematische Darstellung der Abweichung des 1. Mittelfussknochens zur Körpermitte hin. Das innere Sesambein liegt unter der «Crista trochlea», was vor allem bei jüngeren Patienten Schmerzen verursachen kann

Als erste Massnahme empfahlen wir zunächst die Entlastung des inneren Sesambeines mittels einer ganzsohligen Schuheinlage nach Mass mit Lochaussparung und Weichbettung unter dem druckschmerzhaften Sesambein.

In den meisten Fällen ist diese Massnahme auf Dauer leider nicht ausreichend, da das Barfussgehen schmerzhaft bleibt und auch die Einlage nicht immer die gewünschte Erleichterung bringt. Bei bleibenden Schmerzen kann dann die Indikation zu einem operativen Vorgehen, d. h. Hallux valgus-Korrektur gestellt werden.  Ziel ist die anatomisch korrekte Aufrichtung des 1. Strahls mit Repositionierung des 1. Mittelfussköpfchens an seine ursprüngliche Stelle.

Der schmerzhafte Konflikt zwischen dem inneren Sesambein und dem Mittelfussköpfchen lässt sich hiermit beheben, so dass der Fuss schmerzfrei belastet werden kann und auch Barfussgehen wieder ohne Probleme möglich ist.

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