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«Endlich wieder wie die anderen Kinder ohne Krücken!» Wie Miro dank dem Patientenhilfsfonds der Schulthess Klinik wieder zurück zu einem normalen Leben findet.

3 Jahre lang durfte der heute 10-jährige Miro aus Italien nicht mehr rennen und springen. Fortbewegen war oft nur noch an Krücken oder im Rollstuhl möglich. Schuld daran war der Morbus Perthes, eine kindliche Hüftgelenkserkrankung. Heute freut sich Miro bereits darauf, sich schon bald wieder normal bewegen und mit seinen Freunden spielen zu können, denn eine Operation in der Schulthess Klinik hat ihm geholfen. Diese Operation war möglich dank der Unterstützung des Patientenhilfsfonds der Wilhelm Schulthess-Stiftung.


Miro lebt mit seiner Familie in Genua. 2007 ist seine Schweizer Mutter dorthin ausgewandert und lebt seitdem dort mit ihrem Mann. Bei ihrem gemeinsamen Sohn Miro traten im Alter von 7 Jahren Schmerzen im Knie auf. Lange Zeit wusste niemand, was der Grund war, bis die Ärzte diesen in der Hüfte fanden und einen Morbus Perthes diagnostizierten. Der Morbus Perthes ist eine Durchblutungsstörung des kindlichen Hüftkopfes, deren Ursachen nicht gänzlich geklärt sind. Sie führt dazu, dass dieser teilweise oder vollständig kollabiert, um sich anschliessend in mehreren Phasen schrittweise wieder aufzubauen. Leichtere Formen dieser Erkrankung haben eine gute Prognose und heilen meistens mit wenigen Folgen aus. Falls überhaupt nötig können klassische kinderorthopädische Operationen in den meisten Fällen ausreichend helfen.

Bei einem schweren Verlauf hingegen kann sich die Erkrankung über mehrere Jahre hinziehen. Knieschmerzen, Schonhinken und eine eingeschränkte Hüftgelenksbeweglichkeit gehören dann zum Alltag. Bei Miro entwickelte sich die leider schwerste Form: Der deutlich vergrösserte Hüftkopf nahm noch zusätzlich eine Pilzform an, so dass dieser nicht mehr in die Hüftgelenkspfanne passte, was seine Schmerzen und die Bewegungseinschränkung erklärte. 

Um die Situation etwas zu verbessern, kam es in Italien zu einer ersten Operation mit anschliessender Rehabilitation. Danach war er zwar etwas schmerzärmer, doch sein linkes Bein durfte er weiterhin kaum belasten: Gehen so wenig wie möglich, vorwiegend an Krücken, und sonst mit dem Rollstuhl unterwegs. Für den aktiven und bewegungsfreudigen Jungen war dies die Höchststrafe. Mit seinen gleichaltrigen Freunden etwas zu unternehmen, war kaum möglich.

Spezialist für Hüftoperation gesucht

Spezialisten für die Behandlung der schweren Verlaufsformen sind selten und die klassischen Behandlungsverfahren erlauben es nicht, den verformten Hüftkopf wieder in die Gelenkspfanne zu zentrieren. «So standen wir als Eltern seit der Diagnose vor der grossen Herausforderung, uns möglichst viele Informationen zu beschaffen und Wissen anzueignen», erklärt die Mutter. «Da ich als Schweizerin sprachlich auch Zugang zu Deutschland und der Schweiz habe, nutzten wir dies ebenfalls.» So stiess die Familie schlussendlich auf die Hüftchirurgie und Kinderorthopädie der Schulthess Klinik, welche ein spezielles Operationsverfahren entwickelt hat und anbietet. 

In Italien wäre nur eine klassische gelenksferne Umstellungsoperation verfügbar gewesen, jedoch nicht mit der Möglichkeit, den Hüftkopf wieder in die Pfanne einzustellen. «Für uns als Eltern ist es selbstverständlich, dass wir für unser Kind alles tun, was in unserer Möglichkeit steht, jeden Aufwand und Weg in Kauf nehmen, wenn es zu seinem Besten ist», sagt die Mutter.

Patientenhilfsfonds ermöglicht Operation

Die Familie ist in Italien krankenversichert. Eine Operation in der Schweiz wird von der Krankenkasse nicht übernommen. Damit die Familie nicht die komplette Summe selbst tragen musste, übernahm der Patientenhilfsfonds die Hälfte der Kosten. Zusätzlich verzichteten die Ärzte der Schulthess Klinik selbstverständlich auf ihr Honorar. 

«Wir wollten diesem Jungen die aus unserer Sicht einzig hilfreiche Operation ermöglichen. Diese Operationsmethode wurde bisher nur an wenigen Kliniken (Schweiz und USA) weltweit und noch nie in Italien durchgeführt. Deshalb sprang unser Hilfsfonds ein und ermöglichte ihm eine Operation bei uns in der Klinik», erklärt der operierende Hüftchirurg Prof. Dr. med. Michael Leunig, der zugleich CMO der Schulthess Klinik ist.

Spezielles OP-Methode für nachhaltiges Ergebnis

Miros Hüftkopf war nicht mehr rund, sondern wie ein Pilz verformt und passte somit nicht mehr richtig in die Hüftpfanne. Ziel der Operation war, durch eine Korrektur der Form des Hüftkopfes diesen wieder in eine zentrierte Position in der Gelenkspfanne zu bringen. 

Bei Miro kam als Operationsmethode die sogenannte Femurkopf-Reduktionsosteotomie zur Anwendung. Im Gegensatz zu einer gelenksfernen Umstellung, wie sie in Italien möglich gewesen wäre, wird hierbei die Beweglichkeit des Hüftgelenkes verbessert und der Kopf kann sich in der Gelenkspfanne normaler entwickeln. Diese gemeinsam mit Prof. Reinhold Ganz (Direktor der Klinik für Orthopädie am Inselspital von 1981 bis 2004) entwickelte Operation ist technisch sehr anspruchsvoll und wird heute mit patientenspezifischen Schnittlehren (eine Art Schablonen) durchgeführt. Dazu ist eine genaue Analyse der Fehlstellung und detaillierte präoperative Planung notwendig, welche die Operation selbst dann aber vereinfacht.

Schnittlehren für Femurkopf-Reduktionsosteotomie
Patientenspezifische Schnittlehren

Ende Mai 2021 fand dann die ersehnte Operation in der Schulthess Klinik statt. «Wir waren alle sehr aufregt, auch Miro war sehr angespannt», erzählt die Mutter. «Einerseits war da die Sorge, ob auch wirklich alles gut gehen würde, aber auch die grosse Hoffnung auf Besserung. Nach dem Eingriff waren wir alle sehr erleichtert, als die Ärzte berichteten, dass die Operation gut geglückt war.» 

Während seines Aufenthalts betreute unsere kinderorthopädische Abteilung den Jungen. Bereits in der Klinik erfolgte eine erste Physiotherapie, um den kleinen Körper wieder in Bewegung zu bringen. Nach einer Woche durfte Miro die Klinik verlassen. Danach galt es, erst einmal abzuwarten, wie alles verheilt, und geduldig zu sein.

Kind mit Eltern und Chirurg im Spitalzimmer
Der erste grosse Schritt ist mit der OP getan. Nach einer Woche darf Miro wieder nach Hause.

Langsamer Belastungsaufbau

Sechs Wochen nach der Operation ging es Miro schon deutlich besser. Die Schmerzen waren verschwunden, die Beweglichkeit der Hüfte sehr gut und die Beinlängen deutlich ausgeglichener. Da die Hüftkopfosteotomie (Knochendurchtrennung) bereits sehr gute Heilungszeichen zeigte, durfte er ab diesem Zeitpunkt langsam die Belastung wieder aufbauen.

Röntgenbilder Kinderhüfte vor und nach der Operation
Röntgenbild vor der Operation (links) und 6 Wochen nach der Operation (rechts)

Aktuell darf er zwar immer noch nicht springen und hüpfen, weil solche Stösse den noch fragilen Hüftkopf noch gefährden könnten. Auch sein Schwimmtraining muss noch warten, bis die 6-Monatsfrist um ist. Auch Kontaktsportarten wie Fussball sind frühestens sechs Monate nach der Operation erlaubt, wenn weiterhin alles gut geht. Aber ein bisschen etwas ist schon möglich und Miro freut sich über die zurückgewonnene Freiheit: «Ich darf im Meer etwas schwimmen und schnorcheln. Und es ist einfach super, endlich wieder wie die anderen ohne Krücken gehen zu dürfen», freut sich der kleine Mann. «Am meisten freue ich mich darauf, wieder mit meinen Freunden herumzurennen und Fussball spielen zu können. Ich kann es kaum erwarten, dass meine Eltern mich nicht mehr ständig daran erinnern müssen, dass ich etwas nicht tun darf.»

Kind mit Eltern und Chirurg im Sprechzimmer
Sechs Wochen nach der OP bei der Nachsorgeuntersuchung: Prof. Leunig erläutert nochmals den Ablauf der Operation, bespricht die aktuellen Röntgenbilder und untersucht Miros Beweglichkeit.