Zusammenarbeit Schulthess Klinik – ETH Zürich

Interview mit ETH Prof. Dr. Marcy Zenobi-Wong

Seit mehr als fünf Jahren arbeitet die Schulthess Klinik in Forschung und Lehre mit der ETH Zürich zusammen. Im Gespräch mit involvierten ETH-Professoren und -Professorinnen wollen wir wissen, was das eigentlich bedeutet. Im Folgenden berichtet Prof. Dr. Marcy Zenobi-Wong über ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Klinik.

Prof. Dr. Marcy Zenobi-Wong, ETH Zürich

Wie beurteilen Sie – als ETH-Professorin – die Aktivitäten der Lehre, Forschung und Entwicklung der Schulthess Klinik?

Die Aktivitäten sind ausgezeichnet. Die Schulthess Klinik beeindruckt mich immer mit ihrer erstklassigen Patientenbehandlung und Infrastruktur, aber auch mit ihrem langfristigen Engagement in der Forschung. Ich denke, es ist selten, dass eine Klinik so stark in die Forschung investiert, aber es ist zweifellos sehr sinnvoll. Beispielsweise kann das Human Performance Lab der Schulthess Klinik mit seiner topmodernen Infrastruktur für Ganganalysen sehr einfach den Behandlungsverlauf der Patienten verfolgen.

Im Bereich der Lehre ist es grossartig, eine zunehmende Kooperation mit der ETH Zürich zu beobachten, die den Studierenden einen grossen Nutzen bringt. Im Kurs «Clinical Challenges in Musculoskeletal Disorders» lehren zahlreiche Kaderärzte der Klinik gemeinsam mit ETH-Professoren. Dies bringt die Studierenden aus ihrem Elfenbeinturm in die Klinik, wo sie aus erster Hand hören, welches die zu lösenden Alltagsprobleme sind.

Seit wann arbeiten Sie mit der Schulthess Klinik zusammen und wie sieht diese Zusammenarbeit konkret aus?

Ich arbeite seit 2012 mit der Schulthess Klinik zusammen. Am Anfang habe ich meine ganze Forschungsgruppe in die Klinik gebracht, um den Ärzten zuzuhören und Ideen für ihre ungelösten Probleme zu entwickeln. In der Zwischenzeit sind die Fragestellungen konkreter geworden. Ich habe an verschiedenen Projekten im Bereich der Knorpelwiederherstellung und der Behandlung von Knorpellappen gearbeitet. Für ersteres verwenden wir Gewebeteile, die normalerweise im Rahmen von chirurgischen Eingriffen entfernt und weggeworfen werden.

Für uns enthält dieses Gewebe extrem wertvolle Zellen. Sie helfen uns, Krankheitsverläufe zu verstehen und Materialien und Medikamente für mögliche zukünftige Behandlungen zu entwickeln. Gemeinsam mit den Chirurgen der Abteilung Untere Extremitäten analysieren wir die Knorpellappen. Daraus können wir ableiten, wie lebensfähig die Zellen sind und wie gross ihre Kapazität zur Knorpelbildung ist, um letztlich die Frage zu beantworten, ob dieses Gewebe konserviert werden soll oder nicht.

Welche Ergebnisse konnten während dieser Zeit bereits erzielt werden?

Dank der Knorpelzellen (Chondrozyten) von der Schulthess Klinik konnten wir verschiedene Projekte abschliessen und publizieren. Kürzlich haben wir ein injizierbares Biomaterial für die minimal-invasive Abgabe von Knorpelzellen bei Knorpeldefekten entwickelt1. Weiter konnten wir eine Studie veröffentlichen, in welcher wir das knorpelbildende Potenzial von jungen und alten Chondrozyten und von Knochenmarkstammzellen miteinander verglichen2.

Wir arbeiten ausserdem mit Chirurgen zusammen, die versuchen, eine One-step-Behandlung für Knorpelverletzungen zu entwickeln. Unsere Rolle in diesem Projekt ist es, zu untersuchen, wie Zellen von zerkleinerten Knorpelstücken neues Gewebe bilden können und welchen Effekt die Zerkleinerung auf die Überlebensfähigkeit der Zellen hat.

Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit der Schulthess Klinik besonders?

Es ist von unschätzbarem Wert für mich, in einem sehr frühen Stadium eine klinische Rückmeldung auf unsere Ideen zu haben. Am Ende des Tages zählt nicht nur die Qualität der Wissenschaft, sondern auch, ob die Chirurgen ein von uns entwickeltes Produkt verwenden. Um diesen Druck zur Translation auszugleichen, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass es immer noch sehr viele grundlegende wissenschaftliche Fragen gibt, die möglicherweise zuerst beantwortet werden müssen. Dieses Hin und Her zwischen Chirurgen und Forschern kreiert eine wirklich sehr gesunde und stimulierende Umgebung.

Prof. Dr. Marcy Zenobi-Wong

Prof. Dr. Marcy Zenobi-Wong ist seit 2012 Professorin für Knorpel- Gewebetechnik und Regeneration am Departement Gesundheitswissenschaften und Technologie der ETH Zürich. Sie studierte Maschinenbau und promovierte 1990 an der Stanford University in Kalifornien, USA. Nach ihrer Stelle als Postdoktorandin an der University of Michigan, USA, wurde sie Gruppenleiterin an der Universität Bern. Dort habilitierte sie im Jahr 2000.

Das Zentrum ihrer Forschung bilden die Bereiche Knorpel-Gwebetechnik und Regeneration. Sie fertigt patientenspezifische Knorpelimplantate mittels neuer Herstellungsmethoden wie etwa dem 3D-Drucker. Daneben forscht Prof. Dr. Marcy Zenobi-Wong an der Herstellung neuer Biomaterialien. Damit legt sie die Grundlage für die Entwicklung erfolgreicher klinischer Strategien zur Gewebsregeneration und -reparatur. Sie hält ausserdem Patente im Bereich der Gewebetechnik und gewebetechnischer Methoden.

1 Broguiere N, Cavalli E, Salzmann GM, Applegate LA, Zenobi-Wong M. Factor XIII cross-linked hyaluronan hydrogels for cartilage tissue engineering. ACS Biomater Sci Eng 2: 2176–2184, 2016.
2 Studer D, Cavalli E, Formica FA, Kuhn GA, Salzmann G, Mumme M, Steinwachs MR, Laurent-Applegate LA, Maniura-Weber K, Zenobi-Wong M. Human chondroprogenitors in alginate-collagen hybrid scaffolds produce stable cartilage in vivo. J Tissue Eng Regen Med (Epub ahead of print) DOI: 10.1002/term.2203, 2016.

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