Forschungsgruppe Obere Extremitäten und Handchirurgie

Forschungsschwerpunkte

Prothesenentwicklung

Die Forschungsgruppe der Oberen Extremitäten und Handchirurgie verfügt über eine lange Tradition in der Untersuchung und Entwicklung neuer Implantate. Die Forschungstätigkeit in diesem Gebiet umfasst Computersimulationen und biomechanische Tests gemeinsam mit Spezialisten in biomechanischen Labors. Nach offizieller Registrierung bei den Behörden für ihre Anwendung am Menschen kommen die Implantate und deren Operationstechniken im Rahmen von klinischen Studien zum Einsatz, um deren Sicherheit und mittel- bis langfristigen Ergebnisse (Outcome) zu  evaluieren.
Frühere Beispiele aus unserer Gruppe sind die Ellenbogen GSB-Prothesen (Gschwend-Scheier-Bähler) und die modulare Schulterprothese «Promos». Im Handbereich wurde in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW die CapFlex-PIP©Prothese, ein neues Kunstgelenk für das Fingermittelgelenk (PIP-Gelenk), entwickelt. Nach einer erfolgreichen Pilotstudie, in der die Sicherheit des Kunstgelenkes bestätigt wurde, wird diese Arthroplastik zunehmend bei geeigneten Patienten mit Arthrose des Fingermittelgelenkes implantiert. Diese Patienten erfassen wir routinemässig über die kommenden Jahre, um die Qualität auch langfristig zu überprüfen.

Klinisches Register

Die dominante Kraft der Forschung an der Schulthess Klinik ist die systematische Erfassung von Behandlungsergebnissen, die sogenannte Registerdokumentation, die erfolgreich für definierte orthopädische Eingriffe implementiert wurde. In der Abteilung Obere Extremitäten und Handchirurgie haben wir derzeit fünf spezifische Register im Fokus:

  • Schulter Arthroplastiken
  • Arthroskopische Rotatorenmanschetten Rekonstruktionen
  • Arthroplastik Fingermittelgelenk mit dem neuen CapFlex-PIP© Kunstgelenk
  • Behandlung von Patienten mit der Dupuytren Krankheit
  • Trauma Patienten (in Entwicklung)

Mit dem Einsatz von validierten Messinstrumenten und effizienten Methoden können wir verlässlich und möglichst genau die Sicherheit, die Effektivität und die Kosten der Behandlung dokumentieren. Diese Daten erlauben uns, Ergebnisvorhersagen zu generieren, um so den medizinischen Entscheidungsprozess zu unterstützen. Die Entwicklung eines Entscheidungshilfe-Systems, das für individuelle Patienten abgestimmt werden soll, ist ein wichtiger Schwerpunkt unseres Forschungsportfolio.

Outcome-Forschung und Messinstrumente

Ein valider internationaler Vergleich des Outcomes von chirurgischen Eingriffen benötigt einen Konsens, welche Messinstrumente und Parameter zu erfassen sind. Diese Standardisierung betrifft nicht nur die Bildgebung sondern auch die Dokumentation der funktionellen und subjektiven Parameter und die Erfassung von chirurgischen Komplikationen.
Patienten klagen üblicherweise über Schmerzen, Funktions- und Kraftverlust. Aussagen wie «Ich kann das nicht mehr machen» oder «Ich bin bei dieser Tätigkeit eingeschränkt» sind häufig.  Führen diese Probleme zu einer Indikation für eine Operation, sollten diese ebenfalls zum Monitoring und als Benchmark für eine Outcome-Bewertung herangezogen werden.  Einschränkungen in der Funktion und Lebensqualität können mit unterschiedlichen Bewertungsskalen quantifiziert werden. Ziel dieses Forschungszweigs ist es, geeignete Messinstrumente zu evaluieren, und wenn nötig bei bestimmten Patientengruppen zu testen und anzuwenden.
Mit dieser Forschung möchten wir zur weiteren Entwicklung von internationalen Standards zur Erfassung der Gesundheit, Funktion und Lebensqualität nach einem orthopädischen Eingriff an der oberen Extremität beitragen.

Klinische Studien

Die Forschungsabteilung Obere Extremitäten und Handchirurgie unterstützt die Chirurgen bei klinischen Fragen zu Interventionen an Schulter, Ellenbogen oder Hand. Das Team bietet methodische Hilfe, Forschungsinfrastruktur, Kompetenz in der Durchführung klinischer Studien sowie statistische Auswertungen. In unseren regelmässigen Sitzungen werden klinische Fragen diskutiert und in forschungsspezifische Fragestellungen umformuliert. Letzteres bestimmt auch die Methodik, welche angewendet werden soll, z. B. die Art der Studie. Während in der Vergangenheit viele dieser Fragen mittels retrospektiver Studien beantwortet wurden, sind heute die meisten der laufenden Studien prospektiver Art. Studien, von welchen die Ärzte eine Veränderung des Behandlungsablaufs erwarten, haben höchste Priorität. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Kliniken haben wir die Möglichkeit, grössere Patientenzahlen für unsere Studien zu rekrutieren und Erfahrungen auszutauschen.

Definitionen und Erfassung von chirurgischen Komplikationen

Operationsbedingte Komplikationen sind ein wichtiger Aspekt der Ergebnisse und stellen einen Indikator für die Qualität der Versorgung dar. Komplikationsmanagement ist ein wesentlicher Teil der klinischen Routine, um Risikofaktoren für ein Therapieversagen aufzudecken. Damit sollen Patienten besser über die Risiken eines orthopädischen Eingriffes informiert werden.  Es gibt aber derzeit keine akzeptierten , einheitlichen Standards für die Dokumentation und Berichterstattung über das Auftreten von chirurgischen Komplikationen.
Wir wollen einen einheitlichen Standard für die routinemässige Dokumentation von  Komplikationen in unseren chirurgischen Registern entwickeln. Spezifische Komplikationen erfordern bestimmte Definitionen, um eine konsistente und breite Anwendung ihrer Dokumentation zu ermöglichen. Wir arbeiten daher an einem internationalen Konsens über die Definitionen von chirurgischen Komplikationen in der Orthopädie.

Kosten-Effektivitäts-Analyse (KEA) und Kosten-Nutzen-Analyse (KNA)

Steigende Gesundheitsausgaben sind ein wiederkehrendes Thema, welches die Politik, aber auch jeden Einzelnen beschäftigt. Als Prämienzahler, und erst recht als Patient, wünschen wir uns eine qualitativ hochstehende und bezüglich Funktionsgewinn und Schmerzverbesserung eine effiziente medizinische Behandlung. Aus Sicht der Kostenträger wird der Anspruch auf eine nachgewiesene Kosteneffizienz immer wichtiger. Das Gebiet der Kosteneffektivitätsforschung hat einen hohen Stellenwert erreicht.
Deshalb implementieren wir in die Weiterentwicklung unserer Ergebnisforschung Kosten-Effektivitätsstudien.
In diesem Rahmen arbeiten wir zusammen mit Experten des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Für die Evaluierung von orthopädischen Eingriffen entwickeln bzw. optimieren und benützen wir die relevanten Instrumente und modernste Methodik.


Team

Forschungsgruppenleiter
PD Dr Laurent Audigé, PhD
T +41 44 385 75 80
laurent.audige@kws.ch
CV / Publikationen

Wissenschaftliche Mitarbeiter
Dr Christoph Kolling, MD (CV, Publikationen)
Dr Miriam Marks, PhD (CV, Publikationen)

Forschungsassistenten
Pascal Behm, MSc
Cécile Grobet, MSc
Stefanie Hensler, MSc
Dominik Rickenbacher, MSc

Studienassistentinnen
Béatrice Weber
Martina Wehrli, MSc

Doktoranden
Marian Born
Quinten Felsch
Lukas Graf
Sebastian Kunz
Victoria Mai
Anne-Gita Scheibler
Theodor Walz
Nathalie Wiesner


Weiterführende Informationen

Schulterchirurgie und Ellbogenchirurgie
Handchirurgie
Physiotherapie Fachgruppe Obere Extremitäten
Ergotherapie